„Königreich der Himmel“ – Neu im Kino
Erinnert sich noch irgendwer an das Projekt „The Crusades“? Arnold Schwarzenegger wollte einst mit James Cameron die Kreuzritter auf die Leinwand hieven. Als Ritter auf die Leinwand geschafft hat es nun „Legolas“ Orlando Bloom. Welch Wandel der Produktions-Prozesse.
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Vom Ort der Erlösung namens Jerusalem
Im späten 12. Jahrhundert begibt sich der edle Ritter Godfrey von Ibelin (Liam Neeson – „Schindlers Liste“), seines Zeichens mächtiger Baron, auf die Suche nach seinem Sohn. Diesen findet er in dem Schmied Balian (Orlando Bloom – „Herr der Ringe“), der vor allem durch seine stets frisch gewaschenen Haare ins Auge sticht. Die sich plötzlich einstellende Änderung seines Umfelds, vom trauernden Witwer zum Sohn eines Barons, soll seinen künftigen Lebensweg entscheidend beeinflussen. Gemeinsam mit seinem Vater zieht er gen Jerusalem, doch dort wird er alleine ankommen, denn sein Vater stirbt auf dem beschwerlichen Weg. Zuvor wird Balian noch zum Nachfolger der Grafschaft Ibelin und hoch offiziellen Ritter erhoben. Mit derartigen Ehren versehen zieht er in der heiligen Stadt ein.
Blutrausch im Namen Gottes
Unter der Führung des gütigen Königs Balduin IV (Edward Norton – „25 Stunden“) scheint sein Leben sich weiter zum Positiven zu wenden, eine Liebesaffäre mit der hübschen Schwester des Königs, Sibylla (Eva Green – „Die Träumer“), inklusive. Als der an Lepra erkrankte König jedoch stirbt, fällt die Stadt in die Hände des Kriegs-lüsternen Guy de Lusignan (Marton Csokas – „Die Bourne Verschwörung“) und ein alles entscheidender Kampf mit dem muslimischen Heer-Führer Saladin scheint unausweichlich. Daran kann noch nicht einmal der umsichtige Tiberias (Jeremy Irons – „Being Julia“) etwas ändern. Ein guter Ritter ist nun gefragt.
Von Schwarzenegger zu Bloom
Der Arbeitstitel von Ridley Scotts Ritter-Spektakel war „The Crusades“ – ob es sich bei diesem Sujet allerdings um dieselbe Filmidee handelt, die einst Schwarzenegger jahrelang mit sich herum trug, bleibt unklar. Am Ende ist es also ein nach schauspielerischer Akzeptanz ringender Orlando Bloom, der bisher entweder nur nettes Beiwerk („Herr der Ringe“, „Fluch der Karibik“) oder darstellerisch überfordert („Troja“, „Ned Kelly“) war. In „Königreich der Himmel“ werden ihm erneut deutlich seine Grenzen aufgezeigt und zwar von „gestandenen“ Schauspielern, die noch nicht einmal großartig agieren.
So darf Liam Neeson wieder einmal eine Vaterfigur zum Besten geben und gefällt sich darin offensichtlich, während Jeremy Irons es mit seiner äußerst männlichen Darbietung etwas zu gut meint und dennoch eher überzeugen kann als der Haupt-Darsteller. Edward Norton agiert als von der Lepra entstellter König zwar mit Ganzkörper-Verband und Silber-Maske vor dem Gesicht, spielt aber seinen jungen Kollegen dennoch mit Leichtigkeit an die Wand. Ein Armutszeugnis für den Schwarm so vieler Teenager. So scheitert die Kreuzritter-Saga vor allem an seiner schwachen Hauptfigur … und einer uninspirierten Inszenierung.
Recycelte Vorhersehbarkeit
Weder Ridley Scott („Blade Runner“, „Gladiator“) noch sein Autor, der ehemalige New York Times Journalist William Monahan, schaffen es, einen Hauch von Dramatik in das langweilige Geschehen zu platzieren. Die Liebes-Geschichte wird schnell abgehakt, das Schlachten-Getümmel in den Mittelpunkt gestellt und von einer geradezu enervierenden orchestralen Musik untermalt. Wohl in der Hoffnung, die anspruchslose Geschichte so zu übertünchen, wird der Fokus auf allerlei Gewalt gelegt. Trotz des riesigen Material-Aufwands bleibt die stete Erinnerung an andere opulente Filme und deren Interpretation von Massen-Schlachten. So war am Ende alles irgendwann schon einmal da und dazu noch besser.
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