„Die Tiefseetaucher mit Steve Zissou“ – Neu im Kino
Wes Anderson ist der Schöpfer solch eigenwilliger Komödien wie „Rushmore“ und „Die Royal Tenenbaums“. Diese lebten vorwiegend vom Konflikt skurriler Charaktere, eingebettet in ein familiäres Umfeld. Mit „Die Tiefseetaucher“ versucht sich Anderson auf neuem Gebiet. In der äußerst aufwändig inszenierten Geschichte rund um Steve Zissou präsentiert er Stammdarsteller wie auch neue Stars – und wieder einmal dreht sich der Film um eine Familie.
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Die besten Tage hinter sich
Zu Beginn scheint alles wie gewohnt zu verlaufen. Steve Zissou (Bill Murray – „Lost in Translation“) präsentiert das neueste Ozean-Abenteuer seiner Crew in Italien, doch der erhoffte Erfolg stellt sich nicht ein. Enttäuscht verlässt das Premieren-Publikum die Vorstellung und Zissou muss sich nicht nur mit dem Misserfolg, sondern auch mit seinem plötzlich auftauchenden unehelichen Sohn Ned (Owen Wilson – „Starsky & Hutch“) auseinander setzen. Umstände, die seine Noch-Ehefrau (Anjelica Huston – „Die Royal Tenenbaums“) und den Rest seiner Tiefseetaucher-Crew der „Belafonte“ in emotionale Konflikte verstricken. So will das Comeback-Abenteuer von Zissou nicht wirklich aus den Startlöchern kommen.
Auf der Jagd nach dem „Jaguar-Hai“
Als es dann doch noch auf die Jagd nach dem mysteriösen Jaguar-Hai gehen kann, taucht zu allem Überdruss die schwangere Reporterin Jane (Cate Blanchett – „The Aviator“) auf. Die kuriose Odyssee verliert zusehends ihr eigentliches Ziel aus den Augen. Während Ned verzweifelt um eine Beziehung zu Steve kämpft, bahnt sich zwischen ihm und der neurotischen Reporterin eine zarte Liebes-Beziehung an. Ganz im Gegensatz zum Liebesleben von Steve, der von einer Katastrophe in die nächste zu schlittern scheint. Dagegen nimmt sich der abenteuerliche Auftritt einer Piraten-Truppe regelrecht harmlos aus.
Verloren in Oberflächlichkeiten
So sehr Wes Anderson sich auch bemüht, an die Klasse und Geschlossenheit seiner Vorgänger-Werke kommt er bei weitem nicht heran. Viel zu sehr begnügt er sich damit, die oberflächlich reizvollen Details seiner Geschichte aufzuarbeiten. Das sind dann auch die Pluspunkte des Films. Kamera-Fahrten quer durch das Schiff „Belafonte“ mit seinem interessanten Innenleben und die Darstellung der Unterwasser-Welt, wie sie Hollywood-Tricktechniker sehen. Das Auge erfreut sich in diesen Passagen immer wieder für kurze Augenblicke und genießt die Regieeinfälle des Mannes, der von Martin Scorsese bereits als dessen legitimer Nachfolger gefeiert wurde.
Tatsächlich schafft Anderson es auch diesmal treffend, Musik und Bild zu wunderbaren Kompositionen zu verbinden. Leider jedoch nur in einzelnen Momenten. Das Gefühl, einem Film im Stil der Siebziger Jahre beizuwohnen – trotz der offensichtlich modernen Technik – ist eine jener geschätzten Qualitäten des Hollywood-Außenseiters.
Doch die lustigen Einfälle Andersons täuschen nicht über die Langatmigkeit und Unentschlossenheit hinweg. Einzig ein hervorragend aufspielendes Darsteller-Team, rund um einen brillanten Bill Murray und eine wieder einmal sehenswerte Cate Blanchett, tröstet den Zuseher und fördert manch ungeahntes Highlight zu Tage. Vielleicht hätte Wes Anderson beim Verfassen des Drehbuchs wieder auf die Unterstützung von Owen Wilson setzen sollen. War dies bei „Die Royal Tenenbaums“ das große Plus, fehlt Wilsons Ideen-Reichtum hier, während der Film seine darstellerische Begrenztheit in ungeahntem Ausmaß zur Schau stellt. „Die Tiefseetaucher mit Steve Zissou“ scheitert, wenngleich auf hohem Niveau.
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