„Sophie Scholl - die letzten Tage" neu im Kino
Die Figur Sophie Scholl ist hinlänglich bekannt. Die Münchner Studentin wurde als Mitglied der „Weißen Rose“, einer studentischen Widerstands-Bewegung gegen den National-Sozialismus, im Februar 1943 festgenommen. Nur wenige Tage später wurde die 21-Jährige gemeinsam mit ihrem Bruder Hans Scholl sowie Christoph Probst, einem weiteren Mitglied der „Weißen Rose“, wegen Vorbereitung zum Hochverrat und wegen Feindes-Begünstigung zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet.
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Dritte Kinoversion
Nach der Verfilmung der Biografie „Die weiße Rose“ von Michael Verhoeven sowie Percy Adlons Film „Fünf letzte Tage“ findet die Geschichte der mutigen Studentin nun zum dritten Mal ihren Weg ins Kino. Da fragt sich das geneigte Kinopublikum dann doch: Hat dieser Film denn auch seine Berechtigung? Kann Regisseur Marc Rothemund in seinem neuen Werk noch etwas zeigen, das seine Kollegen nicht konnten? Die Antwort heißt grundsätzlich „Ja“. Ein gut gemeintes Ja, kein absolut überwältigtes.
Bis zum Tod
„Sophie Scholl – die letzten Tage“ betrachtet ebenso wie „Fünf letzte Tage“ die Zeit zwischen Festnahme und Verurteilung, nimmt dabei aber eine andere Perspektive ein – nämlich die von Sophie Scholl selbst – und geht außerdem zeitlich gesehen weiter. „Fünf letzte Tage“, erzählt aus der Sicht der Zellen-Genossin Else Gebel, endet mit dem Abführen von Sophie zu deren Gerichts-Verhandlung. Im neuesten Versuch, die Geschichte fürs Kino zu adaptieren, werden auch die Verhandlung, der letzte Besuch der Eltern, die letzte Zigarette und der Gang zum Schafott gezeigt. Das macht den Film sicher emotionaler, was sich für einen Film, der auch die breitere Masse ansprechen soll, nicht unklug ist.
Recherche in Nazi-Akten
Was für den Film sprechen würde, ist die sorgfältige Recherche bei der Drehbuch-Erstellung. Der Schwerpunkt des Filmes liegt bei Sophies Verhörung, die Protokolle dazu waren für die beiden anderen Filme noch nicht zugänglich. Wie die Studentin nach fünfstündigem beinharten Verhör beinahe freigelassen wird, wie sie später ohne Reue gesteht, als ihr Bruder den Widerstand zugegeben hat - das alles versucht Drehbuchautor Fred Breinersdorfer aus Verhör-Protokollen der National-Sozialisten herauszulesen.
Natürlich sind diese Protokolle subjektiv verfälscht, natürlich wird Sophie Scholl in ihnen als Täterin dargestellt. Dementsprechend bleibt viel Interpretations-Freiheit, wenn ein Autor den Dialog von damals nachskizzieren will. Darin liegt allerdings auch der Haken. Etwas zu bemüht wird versucht, Sophie Scholl als die starke und intelligente junge Frau darzustellen, die sie bestimmt war. Dass ein überzeugter Nazi, wie es der verhörende Polizist mit Sicherheit war, sich mit ihr auf derartig politische Diskussionen einlässt, ist unwahrscheinlich. Inhaltlich sicher interessant, lernt der Zuseher doch die Persönlichkeit der jungen Frau gut kennen - aber eben unwahrscheinlich.
Von „Harte Jungs“ zu „Sophie Scholl“
So kann Hauptdarstellerin Julia Jentsch – überzeugender als in „Die fetten Jahre sind vorbei“ – im Film zwar in die Rolle einer berührend interpretierten Sophie Scholl schlüpfen, jedoch bleibt die Frage im Raum, ob Regisseur Marc Rothemund sich mit einer dritten Kino-Interpretation dieser großen Figur nicht übernommen hat. Natürlich – die Geschichte ergreift weiterhin und auch die Schauspieler können durchwegs überzeugen - dennoch hätte die dritte Leinwand-Version nach einer derartig aufwendigen Recherche besser sein können. So bleibt der Film empfehlenswert, eine cineastische Höchstleistung ist es allerdings nicht. Hat von dem „Harte Jungs“-Regisseur wohl auch niemand so wirklich erwartet.
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