„Ray“ – Neu im Kino
Im Alter von sechs Jahren erblindete Ray und musste fortan sein Leben selbst in die Hände nehmen. Dabei hat er einen großen Schicksals-Schlag noch immer nicht verarbeitet. Nur ein Jahr zuvor starb sein kleiner Bruder unter tragischen Umständen. Ein Ereignis, das der Film zusammen mit seinem problematischen Verhältnis zu seiner Mutter als willkommene Erklärungs-Stütze heran zieht.
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Nicht nur Nirvana starteten in Seattle
Noch als Teenager begibt sich Ray Charles (Jamie Foxx – „Collateral“) auf den Weg von den unwürdigen Lebens-Umständen in den Sumpf-Gebieten Floridas nach Seattle. Die Stadt, in der die angesagteste Jazz-Szene auf den Plan trat. Grund genug für Charles sich dorthin zu begeben. Schon bald hat er mit seinem Talent und seinem untrüglichen Gespür für das Piano Publikum und Musik-Macher erobert. Der erste Vertrag bei einem großen Label ist schon bald in der Tasche. Doch sein Leben verläuft in unsteten Bahnen. Immer wieder taucht vor dem geistigen Auge Charles’ das Wasser auf, in dem sein kleiner Bruder einst ertrank. Langsam beginnt er sich mit diesen inneren Dämonen auseinander zu setzen. Dies vor allem mit Hilfe starker Drogen.
Genialer Musiker, lausiger Familien-Mensch
Wie jeder Musiker zog auch Charles seine Groupies auf sich. Trotz der Hochzeit mit Della (Kerry Washington – „Der menschliche Makel“) begibt er sich immer wieder in die Betten anderer Frauen. Als er schließlich seine drei Background-Sängerinnen rekrutiert und damit die legendären „Raelettes“ ins Leben gerufen hat, beginnt auch eine dauerhafte Affäre Formen anzunehmen. Selbst die Geburt seines Sohnes kann ihn nicht von diesem Leben abbringen, wobei die Affäre zu Background-Sängerin Margie (Regina King – „Natürlich Blond 2“) noch das kleinste Problem darstellt. Seine Drogen-Probleme haben mittlerweile auch das FBI auf den Plan gerufen.
Im Auftrag der Academy
Die Karriere des 60 Jahre alten Regisseurs Taylor Hackford verlief bislang bei weitem nicht so beständig glanzvoll wie das Schaffen seines jüngsten Studien-Objektes Ray Charles. Mit Filmen unterschiedlicher Qualität, wie „Ein Offizier und Gentleman“, „Im Auftrag des Teufels“ oder zuletzt „Lebenszeichen“, konnte er immer wieder seine Darsteller zu preisgekrönten Darstellungen verhelfen, selbst aber nie einen rechten Nutzen daraus ziehen. Es wird ihm mit seinem neuesten Werk nicht viel anders ergehen. Perfekt bis in die letzte Nebenrolle besetzt und mit einem überragend auftrumpfenden Jamie Foxx in der Titelrolle, kann jetzt schon ein heißer Oscar-Kandidat für die „Beste Hauptrolle“ verbucht werden. Für Taylor Hackford bleibt nur der schwache Trost, einem Schauspieler wieder einmal den Rahmen für eine Oscar-Performance geboten zu haben. Denn der Rahmen selbst krankt an einigen Dingen. Das in verrauchte Bilder und zwielichtige Atmosphäre getauchte Porträt beschränkt sich auf einige Lebensjahre des großen Künstlers, der als erster Gospel-, Soul- und Jazzmusik miteinander verband und heftige Kritik katholisch-konservativer Verbände nach sich zog.
Eine tiefer gehende Analyse des Menschen als auch des Künstlers verwehrt Hackford somit dem Zuseher. Stets wiederholt er den Tod des kleinen Bruders, um damit alle Hochs und vor allem Tiefs zu erklären. Allzu plakativ nimmt sich dies aus und ergeht sich damit in oberflächlicher Hausfrauen-Psychologie. Schlussendlich belässt es der Regisseur dabei, sein filmisches Porträt als die Geschichte eines geheilten Menschen zu betrachten. Am Ende erscheint Ray Charles wie der geläuterte Musik-Engel, der erst jetzt, befreit von anderen Frauen und Drogen und der Überwindung des Todes seines Bruders wahrhaftig sein Leben antreten kann.
Kein Wunder, dass Ray Charles diesem Film seinen Segen gab. Trotz aller negativen Aspekte bleibt ein allzu schaler Nachgeschmack hängen. Eine kritische Auseinandersetzung mit Leben und Werk bleibt ausgespart. Doch auf Grund der hervorragend agierenden Darsteller und des unvergleichlichen Soundtracks ist „Ray“ alles in allem doch ein sehenswerter Versuch einer Biografie auf recht beachtlichem Niveau.
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