„Kitchen Stories“ – Neu im Kino
Seit Lars von Trier und Tomas Vinterber1995 ihr Dogma-Manifest verkündeten, hat der skandinavische Film einen Erfolg nach dem anderen verbucht. Vor allem nach der Abkehr vom Dogma-Regelwerk begann ein regelrechter Siegeszug. Davon nicht verschont war auch die norwegische Filmindustrie. War zunächst der eigenwillige „Elling“ ein begehrtes Objekt in den Programmkinos, so hält nun die ebenso eigenwillige Nacherzählung einer wahren Begebenheit Einzug in Österreich.
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Küchen als Ort des Lebens
Der Schwede Folke (Tomas Norström) arbeitet für den brillanten Doktor Ljungberg. Diesem ist es zu verdanken, dass skandinavische Hausfrauen nicht länger unnütze Wege in ihrer Küche zurücklegen müssen. Doch die größte Herausforderung liegt noch vor den Forschen. Nichts ist schwieriger zu definieren als das Kochverhalten allein stehender Männer, vor allem wenn es Norweger sind. So gestaltet sich denn auch die erste Annäherung zwischen Beobachter Folke und Forschungsobjekt Isaak (Joachim Calmeyer), einem alten Eigenbrötler, sehr schwierig. Von seinem Hochsitz aus protokolliert Folke das eigentümliche Verhalten seines „Gastgebers“, doch dieser denkt im Traum nicht daran zu kochen oder größere Arbeiten in der Küche zu verrichten. Frust macht sich breit, insbesondere da der Beobachter mit seinem „Gastgeber“ nicht sprechen darf. Kein Finger darf gerührt werden, geschlafen und gegessen wird im firmeneigenen Wohnwagen.
Männer sind nun mal so
Doch nach und nach nähern sich die beiden Männer an. Kleine Handgriffe, ein Bündel Tabak, ein verrückter Pfefferstreuer. Langsam müssen beide miteinander sprechen und so geschieht es nicht nur bei Folke und Isaak. Das Projekt wird zum Desaster. Beobachter geben ihre stumme Position auf und freunden sich mit ihren Gastgebern an. Ein Umstand, der Doktor Ljungberg in den Wahnsinn treibt. Nichts läuft wie geplant, doch noch verstehen es Folke und Isaak, den Schein einer korrekt ablaufenden Arbeit zu wahren. Derweil stört der eifersüchtige Nachbar Grant die Idylle. Die Freundschaft von Isaak zerbrechen sehend wächst sein Unmut über die aufkeimende Beziehung zwischen den „Arbeitskollegen“.
Kleine Gesten, wenige Worte
Regisseur und Drehbuchautor Bent Hamer verlässt sich in seinem Kammerspiel-artigen Film auf die Wirkung der Requisiten und Gesten. Ob die altertümlich kleinen Wohnwägen oder der bizarre Hochsitz in der Küche, der wie ein überdimensionaler Babystuhl aussieht, die Kraft liegt im Bild. Nach Einführung der beiden Hauptfiguren belässt es Hamer sich mit wortlosen Sequenzen die stärksten Momente seines Filmes zu erschaffen. Die wortlose Kommunikation lebt sowohl von der ruhigen Inszenierung als auch dem kontrollierten Spiel der beiden Darsteller. So wird ein kleines Bündelchen Tabak zum ersten und besten emotionalen Schnittpunkt.
Damit wäre auch der Reiz des Filmes zum Erliegen gekommen. Sobald die beiden Männer das Wort ergreifen, dümpeln sie in belanglosen Gefilden umher. Allzu sehr gefällt sich Hamer in den spärlichen Dialogen und belässt die Vertiefung der aufkeimenden Freundschaft auf Dialog-Fragmenten. So mag für ein skandinavisches Publikum die Nachbarschaft der Staaten Norwegen und Schweden und die damit verbundenen historischen sowie gesellschaftlichen Differenzen amüsant sein, einem österreichischen Publikum bleibt der Witz darin verborgen. Vor allem da auch die Darsteller sich ab diesem Zeitpunkt gelangweilt dem Rest des Filmes ergeben. Die unausweichlichen Konfrontationen und der vorhersehbare Schluss schmälern das anfängliche Vergnügen und reduzieren einen kleinen liebevollen Film zur Dutzendware.
Regisseur Bent Hamer hat den finanziellen Erfolg genützt und dreht mittlerweile in den USA eine Adaption des Charles Bukowski Romans „Factotum“. Es bleibt abzuwarten, ob der Erfolg des skandinavischen Films nicht auf falschen Erwartungen aufgebaut war.
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