„Oldboy" – Neu im Kino
Regisseur Chan-wook Park studierte Philosophie. Genauso wie ein gewisser Michael Haneke. Im Gegensatz zu Haneke ist Park allerdings auch ein ausgewiesener Action-Fan und inszeniert mit „Oldboy“ eine Tour de Force. Auf der Reise in die Vergangenheit benötigt Park einen fünfzehnminütigen Beginn, der 15 Jahre Gefangenschaft darstellt. Ein Martyrium, dass zum Ausgangspunkt einer Reise ins Gewissen des entführten Dae-su wird.
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Handlungen und Konsequenzen
Als typischer Geschäftsmann findet sich der betrunkene Dae-su wieder. Er bepöbelt die Beamten, macht seine Späßchen und scheint die Situation in keiner Weise ernst zu nehmen. Selbst als er von einem Freund der Familie abgeholt wird, kann er es sich nicht verkneifen, die Obrigkeit zu verspotten. Doch auf dem Weg nach Hause wird er entführt. Eine kleine Wohnung als Schauplatz der nächsten 15 Jahre, eine kleine Luke als Kontakt zur Außenwelt. Nie bekommt Dae-su die Entführer zu Gesicht. Verzweifelt versucht er, aus seinem Gefängnis auszubrechen. Doch alle Versuche sind zum Scheitern verurteilt. Ein neues Dasein in beengter Umgebung wird zum neuen Ziel. Das Fernsehen wird zu seinem Leben, seinem Lehrer, seiner Geliebten. Tägliche Box- und Karate-Übungen lassen die aufgestaute Wut heraus.
Auf der Suche nach der Wahrheit
Dem Wahnsinn nahe, wird er ebenso plötzlich frei gelassen, wie er entführt wurde. Ein neuer schwarzer Anzug, eine neue Uhr sowie unbändige Rache sind die neuen Merkmale von Dae-su. Als ihm von einem Obdachlosen eine Brieftasche und ein Handy überreicht werden, wird er angerufen. Die Suche nach seinen Entführern soll der Inhalt in seinem neu geschenkten Leben sein. Mit Hilfe einer jungen Frau gerät er auf die Spur der „Evergreen High School“. Die junge Frau wird zu seiner Geliebten und der unbekannte Entführer bekommt einen Namen und ein Gesicht. Doch die Wahrheit ist damit noch lange nicht ans Tageslicht getreten. Für Dae-su beginnt mit der Konfrontation mit seinem Peiniger ein neuer quälender Abschnitt in dieser Geschichte.
Gewalt im Strudel der Philosophie
Schon in seinem Militärdrama „Joint Security Area“ untersuchte der Südkoreaner Park Ursachen für Gewalt-Anwendung. War es zuvor die brüderliche Beziehung der beiden koreanischen Staaten, der er auf den Grund zu gehen versuchte, so ist diesmal das Motiv für Rache sein Ausgangspunkt. Ziel war die positive Seite der Rache aufzuzeigen, im Bezug auf Verwandlung. Ein Umstand, der des öfteren ins Geschehen Einzug hält. Unterstützt wird er dabei von einem engagierten Darsteller-Team. So musste Hauptdarsteller Min-sik Choi über die psychische und physische Folter hinaus vor der Kamera tatsächlich einen lebenden Tintenfisch verschlingen. Kevin Klines legendäres Fisch-Verschlingen in „Ein Fisch namens Wanda“ war damals einen Oscar wert. Mal sehen, wie sehr „Oldboy“ die kalifornische Jury beeindrucken kann.
In Cannes war der Vorsitzende Quentin Tarantino derart beeindruckt, dass er den Spezialpreis der Jury vergab. Kein Wunder. Die rasante und äußerst harte Inszenierung beschränkt sich nicht rein auf die Darstellung harter Actionsequenzen. Deshalb werden Action-Fans wohl auch ein wenig enttäuscht sein, sollten sie einen atemlosen, blutigen Film erwarten. Hier wird mehr gesprochen als geschlagen. Eine der kleinen Schwächen von Parks Werk sind dann auch ausgerechnet die Actionszenen, die immer intensiver werden und sich schließlich in Matrix-Optik ergibt. Ironie der Filmgeschichte. Aus dem asiatischen Raum wurde die Choreografie importiert und mittlerweile derart inflationär eingesetzt, so dass Werke wie „Oldboy“ wie vergebliche Liebesmüh um den geneigten Action-Fan wirken. Die Zeit wird dem prämierten Rachedrama seinen gerechten Platz in der Geschichte zuweisen, doch im Moment könnte es mehr spalten als es dem Team hinter der Kamera lieb ist.
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