„Die Vergessenen“ – Neu im Kino
Julianne Moore ist bekannt für ihre sorgsam ausgewählten Rollen. Dennoch musste sie lange darauf warten, einen gewissen Bekanntheits-Grad zu erlangen. Gewagte Darstellungen in „Boogie Nights“ oder „Dem Himmel so fern“ stehen ihren öffentlichkeitswirksamen Ambitionen in Filmen wie „Hannibal“ gegenüber. Mit „Die Vergessenen“ nimmt sie einen neuen Anlauf in Richtung Hollywood-Olymp.
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Kinder definieren ein Leben
Am Anfang des mysteriösen Spuks steht die Trauer über einen tragischen Verlust. Telly (Julianne Moore) und ihr Ehemann Jim (Anthony Edwards – „Emergency Room“) haben durch einen Flugzeug-Absturz ihren Sohn Sam verloren. Doch während für Jim das Leben weiter zu gehen scheint, besucht Telly regelmäßig den Psychiater Jack Munce (Gary Sinise – "Apollo 13"). Schon bald wird versucht, ihr klar zu machen, dass es nie einen Sohn gegeben hat. Sie leide an einer Psychose. Telly will dies aber nicht wahrhaben und begibt sich auf eine hektische Spurensuche. Dabei trifft sie auf den ehemaligen Eishockey-Spieler und Alkoholiker Ash (Dominic West – "Chicago"). Erst durch tatkräftige Hilfe von Telly kann er sich wieder an seine verstorbene Tochter erinnern. Beiden wird klar, dass sie auf der Spur von etwas Einzigartigem sind.
Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen
Während das ungleiche Paar quer durch die Stadt hetzt, scheinen sie von jedem, der eine Waffe trägt, verfolgt zu werden. Geheimagenten, Polizisten und merkwürdige, schwarz gekleidete Gestalten sind den beiden ständig auf den Fersen. Regisseur Joseph Ruben lässt sich ab diesem Moment zum überfälligen Genrewechsel hinreißen. Was zunächst wie die Action-geladene Studie einer psychisch deformierten Trauernden anmutet, wird schließlich zum Mystery-Thriller im Akte X-Format. Die Stärken der erfolgreichen Serie lagen vor allem in der Verlagerung von Antworten auf kommende Folgen. Schließlich stieß die Serie an ihre Grenzen, als es an die Auflösung der losen Fäden ging. Ein Problem, welches auch diesen Film prägt. Während Regisseur Ruben und sein Drehbuchautor Gerald Di Pego („Message in a Bottle“) versuchen, den Zuseher mit allerlei Verfolgungs-Jagden von der logikfreien Handlung abzulenken, beweisen die Darsteller ihr Können. Trotz kaum vorhandener Charakter-Schärfe schaffen sie es, den Zuseher dennoch ein wenig zu interessieren.
Logik wird überschätzt
Dieses Interesse hält jedoch kaum bis zur Hälfte des Filmes. Die Logiklöcher erweisen sich am Ende doch als viel zu groß und feine Kniffe in der Storyführung fallen kaum ins Gewicht. Dass alle Darsteller, aufgrund ihrer nicht vorhandenen Erinnerung bis zum Ende symbolisch schwarz tragen, fällt nur dem ganz Aufmerksamen auf. Die Grenzen der Geschichte werfen ihre Schatten weit voraus. Zu sehr erinnert jede Sequenz an einen Ableger von Akte X. Julianne Moore und Dominic West als Alternative zu Fox Mulder und Dana Scully - Leider funktioniert es, zumindest auf künstlerischer Ebene, nicht.
Finanziell war dieser Film in den Vereinigten Staaten bereits ein Erfolg. Das Jahr der B-Movies wurde ausgerufen. Der einstige Hype rund um jeglichen Mystery-Film ist abgeflaut und die Übersättigung nicht mehr präsent. Der Weg ist frei für neue Geister- und Weltraum-Geschichten, fern ab von relativ logisch durchdachten Werken wie jenen von M. Night Shyamalan. Die Auflösung der „Vergessenen“ spielt im Großen und Ganzen dieses Humbugs keine Rolle. Julianne Moores Karriere wird der finanzielle Erfolg wieder die Freiheit für anspruchsvollere Rollen geben. So gesehen hat auch dieser missglückte Versuch einer Wiederbelebung des Mysteriösen und Unerklärlichen sein Gutes.
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