Super Size Me - Neu im Kino
Morgan Spurlock ist Amerikaner. Das sind zwar viele andere Menschen auch, aber der bisher als Moderator und Erfinder der MTV-Ungustl-Show „I bet you will!“ bekannte Regisseur nutzt seine Nationalität zur intensiven Selbst-Studie. Die trägt den Namen Super Size Me und ist ab Freitag in den österreichischen Kinos zu sehen.
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Eine Nation der Superlativen
Die USA sind nicht nur die einflussreichste Wirtschafts-Macht der Welt, sie beheimaten auch die mit Abstand übergewichtigsten Menschen des Planeten. Eine Tatsache, die irgendwie bekannt ist, Spurlocks Film allerdings Haupt-Thema und Inhalt liefert. In Gods own Country werden Alkoholismus und Nikotin-Sucht zwar als Krankheiten anerkannt beziehungsweise verteufelt, dass den Steuerzahler die extreme Fettsucht (2 von 3 Erwachsenen in den USA sind übergewichtig) der Bevölkerung weit mehr kostet, ist eher unbekannt. Die latente Gigantomanie der Vereinigten Staaten findet eben auch in der Esskultur ihren Niederschlag. Sogenannte „Super Size“ Menüs werden dem geneigten Fast-Food-Kunden von allen gängigen Burger-Ketten angeboten. Der gruselige Effekt: Es entstehen Super Size-Menschen.
Das Experiment
Als durchschnittlich gewichteter Europäer ist schon der Anfang des Films schwer zu überstehen. Bilder von bizarr geformten Fett-Leibern wechseln sich mit schön gefilmten McDonalds-Burgern ab. Eben diese sind nach kurzer Zeit schon der zentrale Inhalt der Dokumentation. Spurlock führt nämlich, um die Glaubhaftigkeit seines Werks körperlich spürbar zu machen, eine Selbst-Studie durch. Verfolgt von seinem Kamera-Team ernährt er sich einen Monat lang unter ärztlicher Kontroll-Aufsicht nur von McDonalds Produkten. Außerdem bestellt er bei Nachfrage das Super Size-Menü, was beispielsweise im Bundesstaat Texas immer der Fall ist. Die Blutbefunde liefern dann, im Vorher-Nachher-Vergleich, ein erstaunliches Ergebnis.
Impotenz und Kopfschmerzen
Der Dokumentar-Film wird plötzlich zum Horror-Streifen und später zum Melodram, als der Darsteller/Regisseur die gesundheitlichen Folgen seiner Fast-Food-Diät zu spüren bekommt. Zunächst normales Erbrechen und Gewichts-Zunahme, dann Kopfschmerzen und Rastlosigkeit, und - als Grande Finale - Impotenz, Leberschäden und Depression. Alles Dinge, an die der durchschnittliche FastFood-Konsument beim netten Lächeln von Ronald McDonald eigentlich nicht denkt. Spurlock bleibt jedoch standhaft und bricht sein Experiment trotz flehenden Bitten seiner Freundin und panischen Warnungen seiner Ärzte nicht ab. Die letzte Diagnose bescheinigt ihm nach einem Monat Burger-Daueressen die Leberwerte eines schweren Alkoholikers.
Im Fahrwasser von Michael Moore scheint in den USA eine neue filmische Gegenkultur zu entstehen, denn vor einiger Zeit wäre ein auf seine eigene Weise American Way of Life-kritischer Film nicht denkbar gewesen. Die Machart ähnelt mit ihren schnellen Schnitten und grellen Einblendungen auch sehr den Werken Moores. Negativ fällt nur die schulmeisterliche und übertrieben-moralische Botschaft von Spurlock auf, der sich gegen Ende der Dokumentation plakativ an den Zuseher wendet und zu einem gesünderen Lebens-Stil auffordert. Nichtsdestotrotz ist Spurlocks Regie-Debüt sehr gelungen und einen Kino-Besuch absolut wert. Aber Achtung: Nach Genuss dieses Films ist der Verzehr eines Big Macs nicht mehr möglich.
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Interview mit Morgan Spurlock
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