„Open Water“ – Neu im Kino
Ein Budget von 130 000 Dollar ist in Zeiten von millionenteuren Blockbustern á la „Matrix“ nicht einmal genug, um den Kabelträger zu bezahlen. Chris Kentis nutzte das Geld um zwei unbekannte Darsteller zu engagieren und ohne Spezial-Effekte einen Thriller über ein im Meer gestrandetes Paar zu drehen.
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Am Beginn steht Idylle
Daniel Travis („Sex and the City“) und Blanchard Ryan („Super Troopers“) stellen das junge Pärchen Daniel und Susan dar, welches sich vom hektischen Berufsalltag eine Auszeit nehmen will. Ein überstürzt geplanter Urlaub im Ferien-Paradies soll diese therapeutische Wirkung haben. Doch schon zu Beginn können sich beide nicht wirklich auf das Insel-Idyll einlassen. Der Alltag verfolgt sie per Laptop bis ins Hotelzimmer. Rettung in letzter Not: ein Tauch-Ausflug. Soweit, so unspektakulär. Der Tauchgang wartet mit einigen Randfiguren auf, deren Namen schneller vergessen sind, als jene der beiden Hauptdarsteller. Tatsächlich gelingt es bis zum ersten Eintauchen in den Ozean weder Regisseur Kentis noch den Darstellern, irgendwelche Spannung oder Interesse beim Zuseher zu erzeugen. Dies scheint auf später verschoben zu sein. Die Einleitung braucht eben ihren Platz.
Ene, Mene, Mu und raus bist Du
Die Katastrophe nimmt ihren Lauf, als sich die Betreiber des Tauch-Unternehmens schlicht und ergreifend verzählen. Im Glauben, alle Personen an Bord zu haben, fahren sie los. Daniel und Susan tauchen auf und stellen verblüfft fest, das sich niemand mehr in ihrer näheren Umgebung befindet. Die Spannungs-Kurve darf nunmehr nach oben steigen. Darf, soll, tut sie aber nicht. Denn was nun folgt, ist die typische, jedoch keineswegs überraschende Konfrontation der beiden Gestrandeten mit der Einsamkeit und der Gewalt des Meeres. Während der Tag zur Nacht wird, untermalt Regisseur Kentis die Szenerie mit folkloristischen Klängen und beschwört den schmalen Grat zwischen Schönheit und Naturgewalt, welchen der Ozean auf den Filmemacher offenbar ausstrahlt.
Langer Rede, kurzer Sinn ...
„Open Water“ hat mehrere Probleme: zum einen das Prädikat „Wahre Begebenheit“. Das erwartete Mitgefühl steht in keinerlei Verhältnis zum entgegengebrachten. Ein Grund hierfür ist unter anderem die mangelnde Spannung. Damit wären wir beim nächsten Problem: In diesem Film gibt es nichts, was der geneigte Zuseher nicht schon in Filmen wie „Der Weiße Hai“ oder anderen Katastrophen-Filmen zu sehen bekam. Die Intention der Crew, ohne Spezial-Effekte und mit geringem Aufwand zu drehen, führte zu einigen interessanten Produktions-Bonmots. Das die Haie echt waren und mit Thunfisch-Steaks angelockt wurden, erweist sich somit als das Spannendste, was das Publikum aus diesem Film mitnimmt.
Die Darsteller leiden an halbgaren Dialogen und können selbst aus der Extrem-Situation, welche den Zuseher fesseln soll, kein Kapital schlagen. Teilnahmslosigkeit macht sich breit, während Regisseur Kentis immer wieder Haiflossen ins Bild hält. Die Wirkung, die dieser hochgelobte Thriller bereiten soll, stellt sich nicht ein. Dennoch ist nicht alles negativ, in Wahrheit ist „Open Water“ weder ein cineastisches Meisterwerk, noch ein vollkommener Reinfall. Das Zauberwort heißt Durchschnitt. Das Phänomen „Der weiße Hai“ bleibt wieder einmal unerreicht. Die zarte Nuance der naturalistischen Darstellungsweise wird kaum einen Eintrag in die Film-Annalen einbringen. Wohl aber die Tatsache, dass sich die Macher über ein Einspiel-Ergebnis von dreißig Millionen Dollar freuen dürfen. Nach einer wahren Presse-Aussendung.
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