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Kein Leben ohne die Liebe

Der Geiger und Ugnas Mutter musizieren mitten in der Wüste Gobi
Der Geiger und Ugnas Mutter musizieren mitten in der Wüste Gobi
Der kleine Ugna und seine Großfamilie leben mit und von ihren Kamelen
Der kleine Ugna und seine Großfamilie leben mit und von ihren Kamelen

Die Geschichte vom weinenden Kamel

„Hallo meine Kinder, heute erzähle ich euch meine Kamel-Geschichte.“ Urgroßvater Janchiv spricht am Anfang der „Geschichte vom weinenden Kamel" über jenes Tier, das seine Familie seit Generationen begleitet. Der Film zeigt den Alltag einer mongolischen Großfamilie. Sie besteht aus vier Generationen, von den Urgroßeltern bis zum neunjährigen Ugna und seinen zwei Geschwistern. Ihre Lebens-Grundlage sind unzählige Schafe und Kamele, es gibt kein fließendes Wasser, keine Elektrizität und – zum Ärger des kleinen Ugna – keinen Fernseher. Im Gegensatz zu vielen Mongolen in der Stadt richtet sich ihr Leben nach den Gesetzen der Natur und ihres Glaubens.

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Alleingelassen
„Die Geschichte vom weinenden Kamel" erzählt vom Buddhismus und den liebevoll ausgeführten mongolischen Traditionen. Am Anfang des Films stehen die 20 schwangeren Kamele der Familie, die alle im Frühling fohlen. Das erstgeborene Kamel wird mit einem bunten Halfter und Schafsmilch begrüßt, um ihm und seinen Besitzern Glück zu bringen.

Schließlich sind alle Fohlen auf der Welt, nur Kamelstute Ingeen Temee lässt sich Zeit. Erst nach zwei langen Tagen der Geburt kommt ein weißes Fohlen zum Vorschein. Im Gegensatz zu den anderen Kamelmüttern kümmert sich Ingeen Temee nicht um ihr Fohlen, sie entfernt sich immer weiter von der Herde und verweigert das Säugen. Das Fohlen kämpft um die Liebe seiner Mutter, aber es wird jedes Mal wieder verstoßen.

Das Ritual
Da das Fohlen immer schwächer wird, entscheidet sich die Familie dafür, das uralte Hoos-Ritual durchzuführen. Der kleine Ugna und sein Bruder reiten zwei Tage lang in die nächste Stadt und holen den besten Geiger. Erst seine Musik und der Gesang von Ugnas Mutter beruhigen die Kamelstute und plötzlich fängt sie an zu weinen. Das ist der Augenblick, in dem das Kleine das erste Mal bei seiner Mutter säugen darf. Endlich sind beide vereint, die Mutter scheint ihr Fohlen das erste Mal als ihr Kind anzuerkennen und beginnt es zu beschnuppern. Das Fohlen hat für die Liebe gekämpft und das Herz seiner Mutter erobert.

Die Schönheit im Detail
„Die Geschichte vom weinenden Kamel" ist berührend in Szene gesetzt, das Kamelfohlen läuft einsam vor der eindrucksvollen Kulisse der Wüste Gobi, die nur vom scheinbar unendlich weit entfernten Himalaja-Gebirge begrenzt wird. Trotz der Abgeschiedenheit der Familie wird deutlich, dass die Technik und moderne Annehmlichkeiten auch in ihrem Leben Einzug halten werden. Es bleibt zu hoffen, dass ihre Kultur und Traditionen wie das Hoos-Ritual dadurch nicht in Vergessenheit geraten werden.

Der Film dreier Absolventen der Münchner Filmhochschule lässt die Zuseher mit den Tränen kämpfen, vor Glück Sprünge im Kinosessel vollführen und vor Staunen über die Schönheit der Natur verstummen. „Die Geschichte vom weinenden Kamel" sollte jeder anschauen, der seinen Horizont erweitern, wahre Geschichten, Menschen und Liebe sehen möchte.

Ab 07.05.2004 im Kino

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Rezension von Bernadette Geißler > [ Mail ]

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