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Wortlose Versöhnung

von oben nach unten: Katie Holmes, Derek Luke, Oliver Platt, Patricia Clarkson und Sean Hayes
von oben nach unten: Katie Holmes, Derek Luke, Oliver Platt, Patricia Clarkson und Sean Hayes

Pieces of April - Ein Tag mit April Burns

April (Katie Holmes) ist das schwarze Schaf der Familie Burns. Ihre Mutter Joy behauptet sogar, keine einzige gute Erinnerung an ihre älteste Tochter zu haben. In ihrer Sichtweise unterstützt wird sie von Aprils Schwester Beth, dem guten Mädchen das immer alles richtig macht und im Auto Opernarien trällert. Doch zu Thanksgiving soll sich alles ändern.

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April lebt mit ihrem Freund Bobby (Quizmaster aus „Sabrina", Derek Luke) in New York, weit weg von ihrer Mutter Joy, ihrem Vater Jim und ihren Geschwistern Timmy und Beth. Eines Tages lädt sie ihre Familie – halbherzig aber guten Willens – zum Thanksgiving-Essen ein. Das Chaos beginnt. Während April verzweifelt versucht einen Ofen für ihren Truthahn zu finden begleiten wir die Burns auf ihrem Autotrip nach New York.

Die Truthahn-Odyssee
Jim ist der Einzige der gute Worte für seine Tochter findet und daran glaubt, dass sie es schafft, ein Familien-Essen auf die Beine zu stellen. Joy, vom Brustkrebs geschwächt und verbittert, ist in der Früh die Erste im Auto, nur um dann die ganze Fahrt lang über April herzuziehen und für das Umkehren zu plädieren. Doch mit welchen Methoden Joy auch versucht dem ersten Wiedersehen mit April seit Jahren zu entgehen, Jim ist fest entschlossen seine zerrüttete Familie zu kitten. Wenig hilfreich ist ihm dabei Beth, welche die Meinung ihrer Mutter - April sei wertlos, ungezogen und aufmüpfig - teilt. Stundenlang lobt Beth ihre eigenen Vorzüge, während Jimmy sich wohlweislich im Hintergrund hält und die Fahrt fotografisch dokumentiert. Und New York kommt unweigerlich näher.

Im Big Apple geht April derweil in Problemen unter. Bobby hat sie weggeschickt damit er sich einen Anzug für die Feier besorgt, natürlich nicht wissend wie dringend sie seine Hilfe brauchen würde, als der Ofen dann nicht funktioniert. Und nun klopft sie mit ihrem rohen Truthahn in der Hand an die Türen ihrer Nachbarn, ängstlich, ihre Familie nach so langer Zeit wieder ein Mal zu enttäuschen. Doch wer hat schon an Thanksgiving Platz in seinem Ofen?

Hochkarätige Besetzung im Kino-Kammerspiel
April ist unter ihrer rauen Schale ein liebenswürdiges Mädchen, das in Anbetracht des nahenden Todes ihrer Mutter Frieden schließen möchte. Auf ihren Truthahn-Umwegen lernt sie auch noch die Menschen in ihrem Wohnhaus kennen: Das Ehepaar Evette und Eugene, die nicht nur groß für die eigene Familie aufkochen, sondern April sogar noch Tipps für das eigene Essen geben und kurzfristig etwas Platz im Ofen machen. Den exzentrischen Wayne - gespielt von Sean Hayes, den meisten als Jack in „Will and Grace“ bekannt - hätte April wohl lieber nicht kennen gelernt, denn er verlangt eine Gegenleistung für den Ofen-Platz. Als April ihm diese natürlich verweigert „kidnappt“ Wayne ihren Truthahn, was zu einer Reihe komischer Wieder-Beschaffungs-Versuche führt.

Mit „Pieces of April“ ist Regisseur und Drehbuchautor Peter Hedges, der bisher vor allem durch die Vorlage für den Film „Gilbert Grape: Irgendwo in Iowa“ und die Arbeit an Nick Hornbys Bestseller „About a Boy“ auffiel, ein Kammerspiel gelungen, das Einblick in die Seele seiner Charaktere gibt und es auch an reichlich Humor nicht fehlen lässt. Katie Holmes, die „Dawson’s Creek“-Darstellerin, der die meisten eine größere Filmrolle trotz „Wonder Boys“ und „Teaching Mrs Tingle“ noch immer nicht zugetraut hätten, meistert die tragende Hauptrolle erstaunlich gut. Alison Pill und Patricia Clarkson geben ein größtenteils herrlich unsympathisches Mutter-Tochter-Duo ab, während John Gallagher Jr. in seiner Rolle als Timmy mit dem Hintergrund verschmilzt. Oliver Platt, bekannt aus Filmen wie „Die Jury“ und „Ein unmoralisches Angebot“, wird als Aprils Vater seinem Ruf als guter Schauspieler gerecht.

Gegen Ende des Filmes beginnt Peter Hedges jedoch leider zu hetzen. Er bringt das ersehnte Familien-Treffen in nur wenigen Minuten, zum Teil in bewegungslosen Photographien aus Timmys Kamera, fast als wolle er der Auseinandersetzung entgehen. Die Wortlosigkeit, die Einiges an Sentimentalität mit sich bringt, zeigt jedoch auch, dass Worte nicht immer nötig sind um die Kluft zwischen Menschen zu überbrücken. Ein Film für die Massen? Wahrscheinlich. Aber nichts desto trotz ein schöner, der auch Anhängern des alternativen Kinos gefallen dürfte.

ab 23. April 2004 im Kino

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Rezension von Andrea Katschthaler > [ Mail ]

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