Big Fish
Edward Bloom hat ein aufregendes Leben hinter sich. Zumindest wenn man seinen Geschichten Glauben schenkt. Und nichts macht dieser Mann lieber als aus dem Nähkästchen, oder besser dem Anglerkästchen zu plaudern. So rankt sich dann auch seine liebste Geschichte um den Fang eines monströsen Fisches – dem besagten „Big Fish“ eben. Blooms aberwitzige Erzählungen können nur noch von Baron Münchhausens Abenteuern übertroffen werden. Inwiefern sich ein wahrer Kern darin verbirgt, ist die zentrale Frage von „Big Fish“.
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Schmaler Grat zwischen Wahrheit und Lüge
Schon seit früher Kindheit war Edward Bloom in seiner kleinen Heimatstadt Ashton, Alabama etwas Besonderes. Als einziger hatte er den Mut die ortsansässige Hexe in ihrem Waldhaus zu besuchen, um sie nach dem Geheimnis ihres Glasauges zu fragen und später wagt sich Edward in die Höhle des Riesen Karl, der die umliegenden Städte in Angst und Schrecken versetzt. Todesmutig bietet er sich Karl als menschliches Opfer an und findet stattdessen in dem missverstandenen Riesen einen Freund fürs Leben. Schließlich muss Edward erkennen, dass er für seine Heimatstadt ein viel zu großer Fisch ist. Um wachsen zu können, muss er in die weite Welt hinaus. Auf seiner Reise macht er Bekanntschaft mit Werwölfen, Meerjungfrauen und der Liebe seines Lebens – seiner späteren Frau Sandra.
Edwards abenteuerliche Erzählungen finden großen Anklang bei Familie und Bekanntschaft, nur sein eigener Sohn Will (Billy Cudrup) versteht seinen Vater nicht: Er wünscht sich nichts sehnlicher als einmal die Wahrheit aus dem Mund von Edward zu hören. Als Edward im Sterben liegt, beschließt er den fabelhaften Erzählungen endlich auf den Grund zu gehen.
Vergangenheit und Gegenwart
Zwei Schauspieler schlüpfen in „Big Fish“ in die Rolle des Edward Bloom: Albert Finney (bekannt aus Erin Brokovich, Anmerkung der Redaktion) spielt den gealterten, im Sterben liegenden Edward, während Ewan McGregor sein jungendliches Alter Ego mimt.
Finney und Will-Darsteller Billy Cudrup verleihen dem Vater-Sohn Konflikt durchwegs realen Tiefgang und McGregor zeigt als junger Edward, dass er berechtigterweise zu den Hollywood-Topstars gehört. Eine Oscar-Nominierung wäre durchaus berechtigt gewesen.
Die fabelhafte Welt des Tim Burton
Für Regisseur Tim Burton bedeutet „Big Fish“ zunächst einmal nach der enttäuschenden „Planet der Affen“-Neufassung die Rückkehr zu gewohnt hohem Niveau. Der Exzentriker hat es geschafft seinen fantastischen Wurzeln treu zu bleiben und gleichzeitig über sich selbst herauszuwachsen. Zum ersten Mal verzichtet er auf seine gewohnt düstere Grusel-Optik und erschafft in „Big Fish“ ein farbenprächtiges kleines Universum, das von seltsamen, aber durchwegs liebenswerten Charakteren bevölkert wird. So sind zum Beispiel Helena Bonham-Carter als vermeintlich böse Hexe und Danny DeVito als liebevoller Werwolf zu sehen. Und die Ähnlichkeit zwischen Sandra-Darstellerin Jessica Lange und ihrer jungen Version Alison Lohman ist geradezu unheimlich.
Seit „Die fabelhafte Welt der Amelie“ hat mich kein Film so verzaubert und in seinen Bann gezogen wie „Big Fish“. Ein grandioses Märchen, das nicht nur Burton-Fans zufrieden stellt.
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