Nacktschnecken
Endlich wieder ein österreichisches Filmprodukt, das unterhält, aber auch insgeheim zum Nachdenken anregt. Es geht um Sex – Sex vor der Kamera. Was recht einfach klingt, entpuppt sich als problematischer als erwartet.
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Sechs Tage, fünf Schauspieler, ein Porno
Die drei Grazer Ex-Studenten Johann (Raimund Wallisch), Max (Michael Ostrowski) und Mao (Pia Hierzegger) beschließen auf die Idee von Schorsch (Georg Friedrich) hin einen Pornofilm zu drehen. Denn schließlich kann damit schnell viel Geld verdient werden. Mao übernimmt die Regie und Johann und Max die männlichen Hauptrollen. Aber zu einem Pornostreifen, wie die drei ihn drehen wollen, braucht es noch weibliche Darsteller. In einem unterhaltsamen Casting werden die Frauen nach Stöhnen, Aussehen und natürlich auch der Sauberkeit bewertet und schließlich mit Mara (Iva Luki) und Martha (Sophia Laggner) zwei Talente gefunden.
Den Drehort hatte Mao bereits organisiert: unter dem Vorwand, mit Freunden zu lernen, besetzt sie das Haus ihrer Eltern – reich gewordene Alt-Hippies - die für ein paar Tage in Urlaub fahren. Doch bevor sie mit dem Drehen beginnen können, müssen die unzähligen Nacktschnecken vom Rasen im Garten entfernt werden. Wer will sich schon ausgezogen in ein Meer von Nacktschnecken legen? Dies wird aber nicht das einzige Problem bleiben. Ficken vor der Kamera ist harte Arbeit. Erst recht ohne pornographische Ausbildung.
Wie die Tiere
Neben den Schwierigkeiten am Land wird auch der Auftraggeber Schorsch immer nervöser. Sein deutscher Geschäftspartner Harry (Detlev Buck) wartet auf die Leasing-Raten seiner gelben 1967er Corvette. Schorsch soll zu den Fünf aufs Land fahren, um Druck auf sie auszuüben. Doch mittlerweile legen sich die gruppendynamischen Probleme und es wird analysiert, warum es so schwierig ist, vor laufender Kamera zu pudern. „Wir Menschen sind keine Viecher mehr und wir machen uns einen Urstress mit der Fickerei!“ Endlich fallen die Hemmungen untereinander und es folgt eine Gruppensex-Szene nachts im Garten – das Ende ist nahe. Fragt sich nur welches …
Tabuthema Sex
Mit guten Pointen und gezieltem Wortwitz unterhält der Film, der auch viel mit Metaphern und Symbolen spielt. So schleicht ab dem Zitat von Mao „wir müssen uns mit Alkohol gebarden“ ein Gepard von Zeit zu Zeit über die Bildfläche. Nacktschnecken ist ein gelungener Film, der auf witzige Art und Weise dem Zuschauer eine Problematik unserer Gesellschaft aufzeigt. Nämlich die Schwierigkeit, trotz aller Offenheit und Aufgeschlossenheit, mit Sex umzugehen.
Die schauspielerische Leistung mancher Darsteller ist allerdings leider nicht immer überzeugend. Zwar mag von den Filmern vor allem Michael Ostrowski, der mit Regisseur Michael Glawogger auch das Drehbuch geschrieben hat, zu überzeugen. Im Gegensatz zu den wirklich hervorragenden Strizzis und Produzenten im Film, Detlev Buck und Georg Friedrich - den im Moment vielleicht besten österreichischen Film-Schauspieler - schauen die jungen Leute aber nicht immer gut aus.
Dennoch, für den Liebhaber heimischer Filme ist Nacktschnecken auf jeden Fall empfehlenswert. Aber auch für den normalen Kinobesucher, der auf leichte Unterhaltung aus ist, ist diese sicherlich geboten.
Ab 05. März 2004 in den österreichischen Kinos
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