Das Wintersemester hat begonnen – für viele der Start ins Studentendasein, mit allen Schönheiten und Hürden
„Ich war zu Beginn des Studiums total planlos. Du wirst in der Schule ja gar nicht auf diese neue Uni-Situation vorbereitet“, erinnert sich die Politikwissenschafts- und Slawistik-Studentin Barbara an ihren Start ins Studentendasein. Viele Studienanfänger werden dieser Tage dieselbe Erfahrung sammeln. Das erste Mal einen Hörsaal voller fremder Leute zu betreten, das erste Mal in überfüllten Lehrveranstaltungen auf der kalten Stiege zu sitzen, das erste Mal sein Leben selbst zu organisieren – für viele bedeutet die Flut an neuen Eindrücken, einen psychischen Drahtseilakt bewältigen zu müssen.
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Heimweh und Isolierung
Die Hürden, vor denen ein Studienanfänger steht, sind vielfältig. Neben der Herausforderung, seinen Studienablauf selbst in der Hand zu haben und organisieren zu müssen, können ganz persönliche Herausforderungen den Start ins universitäre Leben prägen. Psychologin und Psychotherapeutin Gabriele Kinzl ist bei der Psychologischen Studentenberatung in Innsbruck tätig. Heimweh, meint Kinzl, könne ein prägendes Gefühl zu Studienbeginn sein. Vor allem für jene, die vom ländlichen Gebiet zum Studieren in die Stadt ziehen. Zudem könne es für viele eine Herausforderung sein, neue Bekanntschaften zu knüpfen. „Vor allem für jene, die an sich schon schüchtern sind, können die ersten Erfahrungen an der Uni verstärkend wirken. Die Gefahr einer Isolierung an einer sogenannten Massenuni ist nicht selten“, erklärt die Psychologin. Wird gleich nach der Matura das Studium begonnen, kann zudem das plötzliche Fehlen eines Klassenverbands verängstigend wirken.
„Aber plötzlich war es schwer“
Georg kommt aus dem niedersächsischen Hannover. Als er für sein Politikwissenschafts-Studium nach Innsbruck zog, kannte er niemanden in der fremden Stadt. „Ich war zwar schon gewohnt, alleine zu wohnen, aber plötzlich war es schwer, neue Bekanntschaften zu knüpfen. In der Schule war es einfacher Freunde zu finden“, blickt Georg zurück. Schließlich habe er aber durch Gruppenarbeiten andere Erstsemestrige kennen gelernt, die alle vor ähnlichen Problemen wie er standen. Das habe ihm schließlich Mut gemacht, das Studium zu bewältigen. Die Psychologin Gabriele Kinzl weiß aus der Beratungspraxis, dass vor solchen Kontaktschwierigkeiten viele Erstsemestrige stehen.
Studierende sind zudem oft einer Mehrfachbelastung ausgesetzt. Aus einer Erhebung der psychologischen Beratungsstelle in Innsbruck, an der zweitausend Studierende teilnahmen, geht hervor, dass rund 76 Prozent aller befragten Studierende neben dem Studium arbeiten – dabei verdienen die wenigsten mehr als fünfhundert Euro. Auch Georg kennt die Mehrfachbelastung: „Arbeitest du mehr, studierst du weniger und umgekehrt. Ich habe mich immer eher für das Studieren entschieden, aber deswegen hat auch die Arbeit darunter gelitten“, erzählt er über seine Erfahrung. Dabei wird es für Arbeitgeber immer wichtiger, dass Studierende nicht nur theoretisches, sondern auch praktisches Wissen mitbringen. Ein Erwartungs- und Leistungsdruck, den viele Studierende als psychisch belastend empfinden.
Soziale Kontakte als Stütze
Trotzdem: Viele Studienanfänger haben noch Scheu, die psychologische Studentenberatung, die in Wien, Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck und Klagenfurt angeboten wird, aufzusuchen. In Wien nahmen im Jahr 2008 insgesamt viertausend Studierende das Beratungsangebot in Anspruch, in Innsbruck waren es knapp zweitausend. Aus der Erhebung der psychologischen Beratungsstelle in Innsbruck geht jedoch hervor, dass dreizehn Prozent der Studierenden einer stetigen, rund 33 Prozent häufig einer Arbeitsüberlastung ausgesetzt sind. Zwanzig Prozent der befragten Studierenden gaben zudem an, dass ihnen soziale Unterstützung fehle. Psychische Auswirkungen können dann vielfältiger Natur sein: Lernprobleme, Schlafstörungen, psychosomatische Beschwerden, Motivationsprobleme, Ängste und Depression sind häufige Gründe, warum Studierende die psychologische Studentenberatung aufsuchen. Dabei suchen mehrheitlich Frauen die Studierendenberatung auf, Männer scheinen da noch eine größere Scheu zu haben, über ihre psychischen Probleme zu sprechen.
Ein soziales Bezugssystem kann über den Leistungsdruck des ersten Semesters hinweghelfen. Denn Belastungen, so Studien, können von Personen, die soziale Unterstützung als befriedigend erleben, eher bewältigt werden. Der Tipp der Psychologin Kinzl: Neben den Einführungslehrveranstaltungen auch Studentenfeste besuchen. Da lerne man unkompliziert neue Leute kennen.
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