„Studieren statt Blockieren“: Die Führung der prominenten Facebook-Intiative spaltet sich ab
Über 20.000 „Fans“ innerhalb kurzer Zeit – das schaffen auf Facebook nur wenige Initiativen. „Studieren statt Blockieren“ ist eine davon und zugleich das prominenteste Sprachrohr für den Widerstand gegen die österreichweite Besetzung von Uni-Hörsälen. Jetzt verabschieden sich die führenden Köpfe: Johannes Bauer, bis vor kurzem Pressesprecher von „Studieren statt Blockieren“, kündigte am Montag die Abspaltung von der Initiative an. Ein Hauptgrund für die Abspaltung nennt er die mangelnde Konstruktivität einiger Mitglieder. Montagabend hatte die neue Gruppe noch keinen Namen. Sie soll im Laufe des Dienstags online gehen.
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Keine Gegenbewegung
Beschlossen hat die Abspaltung der innere Kreis der Initiative – eine Gruppe von acht Facebook-Usern, die bisher die konstruktive Arbeit erledigten und auch für Forderungen und Presseaussendungen zuständig waren. Im Gegensatz zum Plenum des Audimax ist „Studieren statt Blockieren“ nicht basisdemokratisch organisiert. „Wenn irgendjemand nicht damit einverstanden ist, was wir machen, dann ist es ihm natürlich freigestellt, aus der Gruppe auszutreten“, erklärt Bauer. Die Mitarbeit im Rahmen der Führungsgruppe stehe aber jedem Mitglied offen. Streng genommen sind Bauer und die anderen ganz normale User wie die tausenden restlichen Fans der Initiative. Admin-Rechte hat nur deren Gründer, ein User namens „Studieren statt Blockieren“, der als reale Person nicht greifbar ist. Das ist ein Problem, denn so hat die De-facto-Führung keine Möglichkeit, unsachliche und beleidigende Beiträge auf Facebook einzuschränken. Gerade diese Unsachlichkeiten würden die Initiative nach außen in ein falsches Licht rücken. „Wir sind keine Gegenbewegung“, stellt Bauer klar.
Verbreitet ist die Ansicht, dass „Studieren statt Blockieren“ generell gegen die Besetzung der Hörsäle sei. Dementgegen meint Bauer, dass die Missstände an den Universitäten in dieser Radikalität aufgezeigt werden mussten. „Nur hat es nebenbei die Studenten getroffen, und das war nicht gut.“ Auch die inhaltlichen Unterschiede zu den Besetzern sind kleiner als allgemein angenommen. „Wir gehen mit vielen Forderungen d’accord“, erklärt Bauer. Trotzdem möchten sich die acht nicht dem Audimax-Plenum anschließen. Dazu fehle von Seiten der Besetzer die Kompromissfähigkeit in wesentlichen inhaltlichen Fragen. Die Gruppe werde erst wieder versuchen, die eigenen Verbesserungsvorschläge einzubringen, sobald sich die Diskussionsgrundlage verbessert habe. Die Gründung einer AG Ideologiefreiheit sei dafür ein gutes Zeichen.
Andere Auffassungen
In vielen Bereichen vertritt die Führung von „Studieren statt Blockieren“ andere Auffassungen als ein großer Teil der Mitglieder. Viele würden durch den reißerischen Namen angelockt, „die nur total gegen die ganze Sache sind, die da momentan im Audimax passiert“. Neben der angestrebten Namensänderung soll die Abspaltung auch endlich Admin-Rechte für die Führungsgruppe bringen. Gerade in den letzten Tagen hätten die unsachlichen und beleidigenden Postings zugenommen. Montagnachmittag war die Schmerzgrenze erreicht und die Abspaltung wurde beschlossen.
So weit wäre man allerdings nicht gegangen, hätte sich nicht mittlerweile das Fernsehen gemeldet. Pressesprecher Johannes Bauer wurde für Mittwoch zu einer ATV-Diskussionsrunde eingeladen. Das Interesse des Fernsehens sei der Beweis für die gesteigerte öffentliche Aufmerksamkeit. „Wir wissen jetzt, dass wir nicht untergehen, wenn wir uns abspalten“, gibt sich Bauer zuversichtlich. Er will mit der geplanten Auslagerung auch „austesten, wie viele Leute wirklich hinter uns stehen“. In der neuen Bewegung seien alle willkommen, egal ob Gegner oder Befürworter der Besetzung, einzige Bedingung sei Konstruktivität.
Wie es weitergeht
Einwänden, man wolle damit dem Audimax den Rang als Diskussionsplattform streitig machen, widerspricht Bauer: „Wir wollen bestimmt nicht mit dem Audimax konkurrieren.“ Auch die entgegengesetzte Interpretation lässt er nicht gelten. Einige Audimax-Besetzer hatten Bauer schon früher eine Abspaltung empfohlen. Dass sie jetzt vorgenommen wird, sei deswegen aber kein Zeichen einer bevorstehenden Annäherung an die Protestierenden. Die Arbeit werde so weitergeführt wie bisher. Ziel bleibe weiterhin die Verbesserung des universitären Bereichs, genauso wie es auch das Audimax anstrebe. „Wir versuchen das teilweise mit anderen Vorschlägen“, so Bauer. Zum Beispiel sollten auch die Gegner der Proteste mehr in die Lösungsvorhaben eingebunden werden. Von der ÖH wünscht er sich eine kritischere Haltung gegenüber den Protesten. Im Hinblick auf die Vertretung aller Studierenden solle sie eine stärkere Oppositionsrolle einnehmen. Noch ist man vorsichtig bei der Vermarktung der eigenen Ideen. Von sich aus werde die Initiative nicht an die Politik herantreten, meint Bauer. Das entspreche ihrer apolitischen und fraktionslosen Überzeugung und sei notwendig, um nicht in ein politisches Eck gedrängt zu werden.
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