Junge Nationalisten auf der Suche nach dem arischen Online-Flirt inmitten germanischer NS-Romantik
„25-jähriger glatzköpfiger Germanier mit einer Vorliebe für braune Reizwäsche und Pittbull-Welpen sucht blondes Rasseweib für gemeinsame Spaziergänge an den Ufern der Reichshauptstadt“. So oder in ähnlicher Form werben Single-Profile der Online-Dating-Plattform „MA Flirt“ um Interessenten in Sachen Liebe. Denn im Gegensatz zu „Websingles“ und Konsorten liegt hier vor allem ein nationalistischer Einschlag hoch im Kurs. Egal in welcher Form. Seien es nun germanische Runen, Ausländerhetze oder offen zur Schau gestellte Verherrlichung des NS-Regimes. Dem Nazi von heute ist anscheinend auch die Partnersuche im „Weltnetz“ nicht mehr fremd. Doch „Linke und Kanaken brauchen es gar nicht erst versuchen!“, wie „Stahlgewitter88“ ihre Selbstbeschreibung mit einem Rufzeichen versehen auf den Punkt bringt.
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Der Reichsadler ist gelandet
Denn obwohl sich „MA Flirt“ auf den ersten Blick in gewohnter Manier eines Single-Portals präsentiert, ist schon bei den Spitznamen der Mitglieder eine deutliche Tendenz zum rechten Rand des politischen Spektrums nicht mehr zu verleugnen. Zumal die inflationäre Verwendung des „Heil Hitler!“-Synonyms „88“ und die zuhauf vertretenen Namen diverser germanischer Gottheiten wie Odin oder Thor recht Spielraum für anders lautende Interpretationen lassen. Doch damit nicht genug: Klickt sich der Benutzer erst einmal in die Detailansicht des jeweiligen Profils, folgt der wortgewaltigen Ansage auch gleich das passende Bild. „Achtung! Sie verlassen jetzt die Bundesrepublik Deutschland und betreten deutsches Reichsgebiet“, weist beispielsweise der User „SuFFkop“ die Besucher in Form eines nachgeahmten Grenzschildes auch optisch hin. Ähnlich bei „Heinrich001“ dessen Reichsadler-Foto auch gleich „Es lebe das Deutsche Reich“ postuliert.
Propaganda soweit das Auge reicht
Kaum etwas weiter nach unten gescrollt, offenbart sich eine weitere Funktionalität des Portals: die Bildung von Gruppen. So hat der Liebes-Suchende die Wahl, ob er oder sie lieber „Unsere Großväter waren keine Verbrecher – Unsere Großväter waren Helden“ beitreten soll oder sich doch lieber für den „Nationalen Widerstand“ entscheidet. Ähnlich der Studierenden-Plattform „StudiVZ“ geht es hier darum, nach außen ein für alle sichtbares Statement abzugeben. Und dadurch das Zugehörigkeitsgefühl zu stärken. Zusätzlich kann rechtsradikale Propaganda auch in Form von Musik unter die Community-Mitglieder gebracht werden. Wie auf „MySpace“ wird das Liedgut automatisch beim Aufruf der Profilseite abgespielt und kann auch im Nachhinein mittels Playlist extra angewählt werden. Dabei stehen einschlägige, neo-nazistische Bands wie „Agigator“ und „Sleipnir“ an erster Stelle. Denn man ist ja mit „Leib und Seele Nazi“ und bleibt's für alle Zeit, wie eines der Lieder rhythmisch auf der Seite der Userin „14words“ vorschreibt. Und das obwohl der „Nick-Name“ ohnehin schon an die Aussage des US-amerikanischen Rechtsterroristen David Eden Lane „Wir müssen den Fortbestand unseres Volkes und die Zukunft unserer weißen Kinder sichern“ angelehnt ist.
Überall NS-Symbolik
Kein Wunder, denn die Symbolik spielt wie im Hilter-Regime auch auf „MA Flirt“ eine große Rolle. Allen voran die Reichskriegsflagge des deutschen Reiches. Die Versionen von 1935 bis 1945 sind zwar verboten, die davor jedoch legal, obwohl diese in der Neo-Nazi-Szene von der Bedeutung her durchaus als gleichwertig betrachtet werden. Denn egal ob mit Hakenkreuz auf rotem Grund oder mit schwarzem Kreuz auf Schwarz-Weiß-Rotem gebettet, die Gesinnung bleibt ablesbar. Auch die Triskele, ein Dreifuß und Zeichen der SS-Freiwilligen-Grenadierdivision „Langemarck“ und der Jugendorganisation „White Youth“ der in Deutschland als verfassungswidrig verbotenen „Blood and Honour“-Bewegung, ist auf „MA Flirt“ zu finden. Ebenso die „Schwarze Sonne“, ein Symbol des Unheils in der germanischen Mythologie, das den Hauptkulturplatz der SS im Dritten Reich in Wewelsburg als Bodenrelief ziert. Dazu fallen auch auch die Kommentare am unteren Ende der Profile aus. Ein „Heil“ als Begrüßungsfloskel ist beinahe obligatorisch. Und ein Doppel S wird natürlich groß geschrieben. „weisseWoelfin88“ verlautbart etwa „laSS dir mal stolze Grüße hier!“ auf der Seite eines potentiellen Flirt-Partners. In privaten Konversationen dürfte das nicht anders sein.
Eisiges Schweigen
Betrieben wird „MA Flirt“ von Mirco Arlt aus Schönefeld in Deutschland, der auch auf seiner Seite „MA Versandshop“ Bannerwerbung für die Neo-Nazi-Plattform verkauft. Dabei gibt er die Mitgliederzahl von „MA Flirt“ mit 127.000 an, die seiteninterne Statistik weist aber gerade einmal 619 Mitglieder aus. Tendenz jedoch steigend. Der Server selbst steht ebenfalls in Deutschland und wird von der Firma „ProfiHost“ aus Hannover zur Verfügung gestellt. Im Impressum findet sich keine Telefonnummer von Mirco Arlt, einer Anfrage via Kontaktformular auf „MA Flirt“ erfolgte bislang keine Reaktion. Das ihm die nationalistische Tendenz seiner Single-Börse bislang nicht aufgefallen ist, scheint insgesamt aber eher unwahrscheinlich. Oder darin liegt eben genau der Sinn.
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