KSV LiLi-Spitzenkandidatin wirft ihrer Schwesterpartei KJÖ-Studenten Engstirnigkeit vor
Die 24-jährige Oberösterreicherin Barbara Steiner tritt bei der diesjährigen Wahl zur Österreichischen Hochschülerschaft für den Kommunistischen StudentInnenverband Linke Liste (KSV LiLi) als Spitzenkandidatin an. Ihre Schwesterfraktion und gleichzeitig größte Konkurrentin KSV-KJÖ-StudentInnen, bezeichnet die dunkelrote Kommunistin als besserwisserisch und abgehoben. Sich selbst empfindet sie als radikal und gleichzeitig utopisch. Bei ihrem Kampf gegen Kapitalismus und Patriarchat schreckt die überzeugte Feministin vor Diskriminierungen gegen Männer nicht zurück. Steiner hat genaue Vorstellungen von ihrer „perfekten kommunistischen Welt“. Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre für die junge Spitzenkandidatin eine „radikale Demokratie“ an allen Universitäten, Öffnung aller Grenzen weltweit und Kommunismus für jeden. ÖH-Vorsitzender Samir Al-Mobayyed ist für Steiner völlig ungeeignet für das höchste Amt in der Hochschülerschaft. Das „männerbündische“ Verhalten des Vorsitzenden und die politische „Anbiederung“ mit der ÖVP mache die ganze Arbeit der linken ÖH zu Nichte, warnt die dunkelrote Feministin ihren männlichen Widersacher.
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Barbara Steiner: „Sie sind die Stalos“
CHiLLi: Wie sind Sie zur kommunistischen Bewegung gekommen?
Barbara Steiner: Ich bin durch die Junge Linke in Oberösterreich zum Kommunismus gekommen und bin von dort der KPÖ beigetreten.
CHiLLi: Weshalb haben Sie sich schon in jungen Jahren der linken Bewegung angeschlossen? Waren Ihre Eltern politisch aktiv?
Barbara Steiner: Nein, gar nicht. Ich bin sehr unpolitisch aufgewachsen. Meine Eltern haben zwar den Rechtsextremismus abgelehnt und brachten mir beispielsweise bei, dass Haider und die FPÖ schlecht sind. Zu der linken Bewegung bin ich aber über Freundinnen gekommen.
CHiLLi: Weshalb KSV LiLi?
Barbara Steiner: Weil ich hier Menschen gefunden habe, mit denen ich am besten kämpfen und diskutieren kann und gleichzeitig den meisten Spaß habe. In diesem politischen Zusammenhang fühle ich mich am wohlsten. Nur hier sehe ich den Willen den Kapitalismus und das Patriarchat abzuschaffen. Wir streben eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft an und nicht nur eine kosmetische.
CHiLLi: Wie kann der Kapitalismus abgeschafft werden?
Barbara Steiner: Ich zitiere immer wieder gerne eine alte italienische Genossin, die meinte: „Es wird nicht eine bewaffnete Revolution geben, sondern es wird hunderttausende Revolutionen in hunderttausenden Köpfen geben.“ Wenn die Menschen beginnen sich mit dem Kommunismus zu beschäftigen und er sich in den Köpfen hunderttausender Menschen festsetzt, kann es eine Überwindung der kapitalistischen Strukturen geben. Es geht aber nicht nur darum den Kapitalismus abzuschaffen, es geht darum, alle Arten der Unterdrückung abzuschaffen.
CHiLLi: Eine sehr utopische Vorstellung.
Barbara Steiner: Ja, bestimmt. Aber das ist ja nichts Schlechtes. Utopisches Denken beschränkt nicht die Möglichkeiten. Wenn man sich nicht vorstellen kann wie es anders wäre, wird sich nie etwas verändern.
CHiLLi: Ist es frustrierend sein ganzes Leben lang für eine wahrscheinlich nie eintretende Sache zu kämpfen?
Barbara Steiner: Frustrierend ist vielleicht das falsche Wort. Es gibt schon immer wieder kleine Erfolge. Wenn man beispielsweise ein gutes Gespräch mit jemanden führt und etwas dazu lernt. Sicher, die großen Erfolge bleiben oft aus, aber wir kämpfen weiter. Frustriert wäre man nur wenn man keine Perspektiven hätte, aber die Hoffnung ist ja da.
CHiLLi: Würden Sie eine Frauenquote an der Universität befürworten?
Barbara Steiner: Ja, das wäre einmal ein Anfang. Wir fordern schon seit längerem eine positive Diskriminierung der Frauen. Durch das Projekt „Linke ÖH“ werden repräsentative Stellen der linken ÖH-Fraktionen bewusst nur mit Frauen besetzt. Bei uns könnte kein Mann die Spitzenkandidatur übernehmen, das wäre unmöglich.
CHiLLi: Ist eine Diskriminierung des männlichen Geschlechts die richtige Lösung?
Barbara Steiner: Das macht ja nichts. Die Frauen wurden die letzten zweitausend Jahre diskriminiert. Im Gegensatz dazu, werden nun die Männer diskriminiert.
CHiLLi: Könnte es auch ohne Diskriminierung funktionieren?
Barbara Steiner: In dieser Gesellschaft leider noch nicht, da die traditionellen Geschlechterrollen immer noch vorhanden sind.
CHiLLi: Auch innerhalb des KSV?
Barbara Steiner: Wir wirken ja auch nach außen, die Spitzenkandidatin wirkt nach außen und wird von den Medien wahrgenommen.
CHiLLi: Dann ist das nur ein politisches Kalkül?
Barbara Steiner: Ja, es ist eine Art Politik zu machen. Es ist ja nicht so, dass bei den Linken schon eine völlige Gleichberechtigung herrschen würde. Wir wurden auch alle sozialisiert und haben dadurch gewisse Rollenbilder im Kopf. Wir müssen uns immer wieder selbst reflektieren: Wie viele Rollenbilder habe ich noch im Kopf, wie agiere ich in gewissen Situationen, höre ich einem Mann eher zu als einer Frau.
CHiLLi: Wie kommen Sie mit dieser Ideologie in Österreich an?
Barbara Steiner: Ich glaube, dass viele Menschen in Österreich ein falsches Bild vom Kommunismus haben. Die Österreicher befürchten beim Wort „Kommunismus“ gleich, dass die Russen mit ihrer Kalaschnikow kommen. Der Kommunismus funktioniert aber ohne Waffengewalt und Zwänge und ist eine Befreiung des Menschen. Wir tun uns sehr schwer das zu transportieren. Es ist schwierig als Kommunistin in die Medien zu kommen. Der Antikommunismus ist in Österreich sehr tief verwurzelt.
CHiLLi: Werdet ihr von der KPÖ unterstützt?
Barbara Steiner: Ja, von der Bundes-KPÖ. Wir haben ein kritisch-solidarisches Verhältnis zur KPÖ. Wir werden zwar von ihnen unterstützt, aber das wirkt sich nicht auf unsere Entscheidungsfindung aus. Wir erwirtschaften außerdem mit Festen und dem Verkauf von T-Shirts Geld.
CHiLLi: Wie viel Prozent eures Budgets erhaltet ihr von der KPÖ?
Barbara Steiner: Ungefähr die Hälfte, also 1.500 Euro.
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„Sie sind die Stalos“
