Kreative Blogger sollen die Grünen im Wahlkampf unterstützen: Das Plakat-Design läuft auf Hochtouren
Durch Bürgernähe und einen Vorstoß der direkten Demokratie versuchen die Grünen das leicht verstaubte Image der Partei wieder aufzupolieren. Die angekündigten Neuwahlen scheinen der österreichischen Politik wieder etwas Leben eingehaucht zu haben: So fordert Christoph Chorherr, grüner Gemeinderat in Wien, in seinem Blog die Leser dazu auf, sich kreativ in den Gestaltungsprozess der grünen Wahlkampfplakate einzubringen. In welcher Form die dargebrachten Werke tatsächlich in die Strategie der Grünen einfließen werden, entscheide sich laut Chorherr in den nächsten Tagen. Die Blogger lassen sich indes von dieser Unsicherheit nicht abschrecken und liefern fleißig laufend neue Plakatvorschläge.
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Geburtsstunde einer Idee
Ausgangspunkt der Aktion war ein Treffen zwischen Österreichs meist gelesenem Blogger Helge Fahrnberger und Chorherr. Der grüne Gemeinderat bat den erfahrenen Blogger um Hilfe bei der grafischen Ausarbeitung seiner Skizzen für Wahlkampfplakate. „Der nächste Schritt – die Community zu Vorschlägen einzuladen“ sei nahe liegend gewesen, meint Fahrnberger.
Ähnlich erklärt auch Chorherr die Entstehung der Idee: „Es liegt im Wesen dieses Mediums, dass man nicht nur Geschichten erklärt, sondern die interessierte Wählerschaft mit einbezieht und Dinge zur Diskussion stellt.“ Er habe sich selbst ein paar Ideen zusammengebastelt und gedacht, „vielleicht fällt den Leuten auch was ein. Seither geht jedenfalls die Post ab.“ Weit über zwanzig Vorschläge wurden schon geliefert. Ein Ende sei noch nicht in Sicht. Während man im Web also fleißig weiter bloggt und den Ideen freien Raum lässt, überlegt sich Chorherr schon, wie „diese sehr dialogische Form – unabhängig von Plakaten – weitergeführt werden könnte“.
Internet als Hoffnung neuer Demokratie
Vorteile seines Projekts sieht der grüne Gemeinderat vor allem im direkten Zugang zum Wähler. Außerdem ermögliche es, die engen Parteistrukturen etwas zu erweitern. Der Wähler soll aktiv in den Wahlkampf eingebunden werden. Das biete mehr Chancen der Mitgestaltung, als „nur ein analphabetisches Kreuzerl am Wahlzettel zu machen“. Dass die Aktion, beispielsweise durch den Vorwurf mangelnder Seriosität der Partei, auch eine gewisse Angriffsfläche im kommenden Wahlkampf bieten könnte, sieht Chorherr gelassen. Es gebe eben „keine Chance ohne Risiko“.
Unbeeindruckt und dennoch etwas gespannt zeigen sich die kreativen Köpfe des Plakat-Blogs vom Versprechen, die gemachten Vorschläge in den grünen Wahlkampf einfließen zu lassen. So meint Michael Schuster, der unter dem Namen „smime“ bloggt, er habe bei der Aktion mitgemacht, da er „eine Idee hatte“ und „einfach Spaß an der Umsetzung“ fand. „Allerdings wird es spannend, wie und ob sich Plakatlinien von externen Personen beeinflussen lassen.“ Diese Ansicht teilt auch Blogger Tom Schaffer. Ohne sich große Illusionen zu machen räumt er ein: „In ein paar Minuten Arbeit kann man nicht den Wahlkampf der Grünen entwerfen. Das ist allen Teilnehmern klar.“ Den Bloggern geht es offenbar mehr um die Sache an sich. Welche konkreten Auswirkungen ihre Arbeit schlussendlich haben wird, ist zweitrangig.
„Einbahnstraße“ durchbrechen
Geht es um eine hervorstechende Eigenschaft, die die Hobby-Plakat-Designer eint, so wäre das wohl der feste Glaube an eine direkte Demokratie und an die Vorzüge des Internets, um diese zu verwirklichen. „Wahlkämpfe sind normalerweise kommunikative Einbahnstraßen. Dass Politiker wirklich auf die Menschen eingehen, kommt oft zu kurz“, kritisiert Laurenz Ennser, selbst grüner Gemeinderat aus Niederösterreich, den traditionellen Wahlkampf. Chorherrs Projekt biete hier die Möglichkeit, „die Einbahnstraße aufzubrechen“.
Auch Blogger Martin Schimak („maschi“) sieht im Internet einen wichtigen Beitrag zur Demokratie: „Wer den entscheidenden Punkt dieser Entwicklung versäumt, wird früher oder später nur noch die Staubwolke der Zivilgesellschaft von hinten wahrnehmen.“ Besonders die junge Generation der Erstwähler könnte durch ihre fleißige Nutzung der neuen Medien auf diesem Weg effektiv angesprochen werden, beurteilt Blogger Oliver Ritter das Potenzial des Internets. Einmal abgesehen vom Alter können über die klassischen Methoden längst nicht mehr alle Wähler erreicht werden, ist sich Helge Fahrnberger sicher. „Nimm mich: Ich habe kein Zeitungs-Abo, kein TV, kein Auto und bin in keiner parteinahen Organisation. Es gibt viele wie mich und wir werden mehr. Das muss in künftigen Wahlkämpfen berücksichtigt werden.“
Wahlkampf auf amerikanisch
Besonders in den USA ist der Wahlkampf über das Internet schon in vollem Gange. Bei steigenden Nutzerzahlen können hier kostengünstig breite Wählerschichten angesprochen werden. Den direkten Kontakt mit Politikern kann das junge Medium wohl nicht ersetzen. Persönlicher als Wahlplakate und TV-Spots dürfte der interaktive Kontakt mit den Volksvertretern jedoch allemal sein.
Bilder dazu ...
Bilder Grüne Wahlplakate von Bloggern
Kommentar dazu …
Kommentar Stefan Hohenwarter: Willkommen im Internet
Links dazu ...
Externer Link Blog von Christoph Chorherr
Externer Link Blog von Oliver Ritter
Externer Link Blog von Laurenz Ennser
Externer Link Blog von Helge Fahrnberger
Externer Link Blog von Michael Schuster („smime“)
Externer Link Blog von Tom Schaffer („Zur Politik“)
Externer Link Blog von Martin Schimak („maschi“)