Die Grünen und die JVP im Tiroler Wahlkampf: Das Buhlen um's gesellige Beisammensein
Diese WG ist ein Heimspiel für Gebi Mair. Alles Studierende, eher alternativ-grünes Publikum – aber das kennt der grüne Politiker. „Bisher hatte ich die Aktion fünf Mal, nach heute kommen noch vier Termine bis zur Wahl“, erklärt er. Mit „Termine“ meint er Hausbesuche, die „Aktion“ heißt „Rent a Gebi“ – man kann sich den grünen Spitzenkandidaten in Innsbruck nach Hause holen, dafür bringt er Knabbereien, Rotwein und natürlich reichlich Wahlmaterial mit. „Ich komme meistens in WGs, das Publikum ist immer sehr studentisch und tendenziell ohnehin grün-affin“, meint er. Wahlkampf einmal anders – und doch nicht so viel anders als sonst.
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Weißwurst und Bier
Im Bürgerkontakt übt sich auch die Junge Volkspartei (JVP), wenn auch in einem etwas anderen Stil: Statt Rotwein gibt es Weißbier und statt Knabbereien werden Weißwürste verteilt. Und auch der Schauplatz ist ein anderer. Nicht beim gemütlichen Zusammensitzen in einer WG wird über Politik diskutiert, sondern vor dem Wahrzeichen der Stadt Innsbruck. Das Goldene Dachl als Kulisse für den Wahlkampf, das passt in die Werbelinie der Tiroler Volkspartei. An die Schönheit des Landes soll erinnert werden. Und an die gute Arbeit des schwarzen Landeshauptmanns Herwig Van Staa.
Florian Tursky, der jüngste ÖVP-Kandidat auf der Innsbrucker Liste und Organisator der Weißwurst-Aktion, zeigt sich von seinem Chef überzeugt: „Die JVP hat die ‚Van Staa Special Force‘ gegründet. Wir laufen in seinem Namen!“ Kritik an Van Staa möchte er keine aufkommen lassen, das einzige Ziel der JVP-Kampagne sei, dass „der Landeshauptmann Landeshauptmann bleibt“. Punkt.
Der (Un-)Sinn von Partei-Werbung
In der WG dreht sich die Diskussion inzwischen um die Kampagnen der anderen Parteien, aber auch um die der Grünen selbst. „Der Sinn unserer Plakate dieses Mal ist einfach, den Leuten zu sagen, dass auch die Grünen wieder kandidieren“, gibt Mair zu, „aber das ist ja auch der Hauptgrund für Plakate.“ Mit Themenplakaten komme man einfach nicht durch – er verspricht aber, sich den bayerischen Grüne-Wahlkampf anzusehen, der sei laut einer Diskutantin nämlich viel besser gewesen. „Mir gefallen die ÖVP-Plakate besser, rein optisch“, meint ein Freund der WG, der heute auch da ist, „taktisch sind solche Plakate sicher besser“.
Taktisch besser findet naturgemäß auch Florian Tursky die ÖVP-Kampagne. Die anderen Parteien würde man ja schlichtweg überhaupt nicht bemerken. Mit der gratis Weißwurst-Aktion mitten in der Altstadt bekommt die JVP jedenfalls jede Menge Aufmerksamkeit. Schüler, Studierende und Pensionisten tummeln sich mittlerweile um das Bierfass und diskutieren mit den JVP-lern. Bei jedem Gespräch mit dabei: Das große Schreckgespenst Fritz Dinkhauser und die mögliche Koalition seiner Liste mit Rot-Grün.
„Kreisky aufholen“
Genau diese Koalition könnte sich Gebi Mair durchaus vorstellen – „auch wenn sie innerhalb von zwei Jahren scheitern würde, entweder am noch immer schwarzen Verwaltungsapparat oder an den unterschiedlichen politischen Richtungen, aus denen die Dinkhauser-Kandidaten kommen“. Aber die „Kreisky-Revolution“ nachholen, das schaffe man auch in zwei Jahren, meint der 24-jährige Kandidat.
Von Kreisky weit entfernt vergnügt man sich unter dem Goldenen Dachl. „Eine enge Freundschaft zwischen der bayerischen CSU und der ÖVP hat diese Aktion ermöglicht“, freut sich der junge VP-Kandidat Tursky über den Erfolg. Die Weißwürste und das Bier kommen nämlich direkt aus München und wurden von der CSU gesponsert. Beim Anstoßen gibt dann der bayerische Landtagsabgeordnete Thomas Zimmermann preis: „Wir von der CSU haben gesagt, die Tiroler Volkspartei braucht jetzt jede Hilfe, die sie bekommen kann“.
Um halb eins am Abend löst sich schließlich die „Rent a Gebi“-Runde auf. „Ich habe ihn eingeladen, weil ich die Aktion gut finde“, meint Hausherr Stefan. Gebi Mair und sein „Sherpa“, Pressesprecher Michael Bauer, sind schon weg – der Kandidat muss am nächsten Tag früh auf. Wahlkampf eben.
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