Physik-Genie Faustmann über die Elite-Uni,
Wurmlöcher und ihren Glauben an Gott
Mickey Mouse, Bravo und Baumhäuser – das sind die Beschäftigungen, die man von zehnjährigen Kindern erwartet. Cornelia Faustmann war in diesem zarten Alter allerdings bereits der Astronomie verfallen. Ihre mehrfach prämierte Matura-Arbeit über schwarze Löcher gelangte in die Hände des renommierten Wiener Physikers Walter Thirring. Gemeinsam mit ihm veröffentlichte die 21-jährige Latein- und Astronomiestudentin kürzlich das Buch „Einstein entformelt“.
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Faustmann: „Horizont nach allen Seiten öffnen“
CHiLLi: Sie beschäftigen sich mit Physik, und speziell mit der Relativitätstheorie, seit Sie zehn Jahre alt sind. Wie kommt man in diesem Alter zu solchen Themen?
Cornelia Faustmann: Ich habe mich schon zuvor für Science-Fiction interessiert und mir die Serien und Filme alle angesehen. Es hat mich neugierig gemacht, ob Phänomene wie etwa Schwarze Löcher oder Wurmlöcher einen wissenschaftlichen Hintergrund haben. So kam ich auf die Idee, mich mit Physik und mit Albert Einstein zu beschäftigen.
CHiLLi: Mit zehn Jahren?
Cornelia Faustmann: Ja.
CHiLLi: Sehen Sie sich als Wunderkind?
Cornelia Faustmann: Das wurde ich schon ein paar Mal gefragt und ich habe es immer verneint. Mein Interesse für Physik habe ich eigentlich immer als normales Hobby betrachtet und es hat mir stets Spaß gemacht.
CHiLLi: Inwiefern ist das physikalische Talent von den Eltern erkannt und gefördert worden?
Cornelia Faustmann: Meinen Eltern bin ich sehr dankbar. Sie haben mir mit dem Buch „Schwarze Löcher, Wurmlöcher und Zeitmaschinen“ von Jim Al-Khalili, das sie mir als zehnjährigem Mädchen zu Weihnachten geschenkt haben, einen großen Gefallen getan. Dieses Buch, das ich sofort verschlungen habe, war der Ausgangspunkt für meine Beschäftigung mit der Physik.
CHiLLi: Physik, Mathematik und Latein gelten bei den meisten Schülern als die „uncoolsten“ Fächer in der Schule. Zwei davon studieren Sie.
Cornelia Faustmann: Kommt jetzt nicht gut, oder? (lacht) Als uncoolste Fächer habe ich sie natürlich nicht gesehen. Was mich in der Schule weniger interessiert hat, waren der Englisch- und der Deutschunterricht. Aber beim Studium gibt es schon Leute, die vor allem die Kombination von Astronomie und Latein stutzig macht.
CHiLLi: Gibt es Vorbilder in der Physik und Astronomie für Sie?
Cornelia Faustmann: Natürlich. Albert Einstein etwa als der Physiker schlechthin und natürlich auch der populärste. Für mich persönlich, in meinem Leben, spielt auch Walter Thirring eine sehr große Rolle. Ohne ihn wäre es nie zu unserem Buch gekommen und überhaupt mein Leben nach der Matura völlig anders verlaufen.
CHiLLi: Wie ist dieser Kontakt zustande gekommen? Sie haben eine Fachbereichsarbeit über Schwarze Löcher geschrieben, die auch prämiert wurde, begannen nach der Matura zu studieren und eines Tages ruft Walter Thirring an?
Cornelia Faustmann: Ja, So war’s. Das war natürlich eine sehr große Überraschung. Die Fachbereichsarbeit wurde ja zweimal prämiert – einmal von der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft und dann noch von der Österreichischen Gesellschaft für Astronomie und Astrophysik. Deshalb gibt es sie auch auf der Physikbibliothek. Dort hat sie Herr Thirring zufällig in die Hände bekommen, anschließend Kontakt mit mir aufgenommen und mich in das Institut eingeladen. Dort hat er mir gleich eine kurze Einführung in Relativitätstheorie gegeben – auf einer kleinen Tafel, die er mit Formeln vollgefüllt hat. Das war praktisch auch schon der Beginn unserer Zusammenarbeit. Was mich sehr gefreut hat, war, dass mich Herr Thirring von Anfang an als gleichwertige Wissenschafterin akzeptiert und gesehen hat. Er hat mich immer ermutigt, meine eigenen Ideen und Ansätze ein- und ihm näher zu bringen.
CHiLLi: Sie möchten sich zwar nicht als Wunderkind bezeichnen, außerordentlich begabt sind Sie aber auf alle Fälle. Wie ist Ihrer Meinung nach die Begabtenförderung in Österreich ausgebaut?
Cornelia Faustmann: In meiner Schule war es so, dass ich an keinem umfassenden Begabtenförderungsprogramm teilnehmen konnte. Ich weiß von anderen Schulen, dass es dort Physik-, Chemie-, und Mathematikolympiaden oder Sprachwettbewerbe gibt. Ich selbst hatte leider nie die Möglichkeit, an so etwas teilzunehmen, obwohl ich das gerne getan hätte.
CHiLLi: Es gibt ja in Österreich so Projekte wie etwa die so genannte Eliteuniversität in Gugging. Halten Sie so etwas für sinnvoll, um Österreich im internationalen Vergleich weiterzubringen?
Cornelia Faustmann: Schwere Frage. Ich finde, dass die Universität, auch so wie sie jetzt besteht, schon gute Grundvoraussetzungen der Ausbildung bietet. Sie hat durchaus auch das Potential, Begabte oder Studierende, die an einer Eliteuniversität studieren könnten, zu fördern. Das Niveau an der Universität ist schon ziemlich hoch. Über eine Eliteuni kann man natürlich diskutieren, aber ich denke, dass schon jetzt an der „normalen“ Universität sehr viel geboten wird.
CHiLLi: Haben Sie Neid unter Kommilitonen feststellen können, weil Sie als junge Frau von einer Kapazität wie Walter Thirring gefördert werden?
Cornelia Faustmann: Wenn dann nur am Anfang, bei dem einen oder anderen Kollegen. Insgesamt kommt mir aber vor, dass sich gerade meine Freunde und Studienkollegen mit mir darüber freuen, dass ich jetzt diese Möglichkeiten habe. Auch von Professoren erfahre ich sehr viel Unterstützung. Es ist eine sehr schöne Erfahrung, dass ich von so vielen Seiten Rückhalt bekomme.
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