Ein Pakistani wird an der Tür der Mausefalle abgewiesen – Zufall oder System?
„Ich kann euch nicht reinlassen, es ist voll“, hören drei Männer vom Türsteher der Innsbrucker Diskothek Mausefalle, in dessen Oberarm eine kleine Studenten-WG Platz finden würde. Sie wollten einen Samstagabend vor zwei Wochen, mit einem schwingenden Tanzbein ausklingen lassen. Kurz zuvor ließ er noch eine Gruppe junger Frauen nach einer Ausweiskontrolle in das Lokal. Während die drei Nachtschwärmer noch darüber rätseln, was eventuell an ihrer Kleidung nicht stimmen könnte, erscheint eine weitere Gruppe Tanzlustiger, der problemlos Einlass gewährt wird. Auch für die zwei Tiroler des Männertriumvirates, die ihrem pakistanischen Bekannten die Diskothek zeigen wollten, war es bis dato noch nie ein Problem, hineinzukommen. Liegt die Abweisung vielleicht daran, dass der Dritte im Bunde dunkelhäutig ist?
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Nicht der erste Vorfall
Bereits vor einem Jahr kam die Innsbrucker Diskothek in die Schlagzeilen. Lukas Negrin wollte seinen Staatsmeistertitel im Taekwondo gemeinsam mit seinem dunkelhäutigen Trainer Georges Ramos in der „Mausefalle“ feiern. Auch hier war vor der Eingangstür Schluss. „So etwas darf in einer Stadt des Sports und der Begegnung keinen Platz haben“, sagte damals die Bürgermeisterin der selbsternannten „Weltstadt“ Innsbruck, Hilde Zach. Sie hielt derartiges zwar für möglich, konnte es sich aber nur schwer vorstellen. Auf jeden Fall kündigte sie an, das Gespräch mit der Mausefalle zu suchen, um diesen Vorfall zu klären. Marko Miloradovic, Vorsitzender der Jungen SozialistInnen (JUSOS), beobachtet seit längerem die Einlasspolitik der Lokale in Innsbruck. „Vor allem die Mausefalle ist bekannt dafür, dunkelhäutige Menschen nicht reinzulassen“, erzählt er.
Wir weisen viele Leute ab
Nun, ein Jahr später, hat sich in der Mausefalle anscheinend wenig geändert. Darauf angesprochen sagt der Betriebsleiter der Diskothek, Pierre Celik: „Ich kenne diesen konkreten Fall nicht. Wir weisen an einem Freitag oder Samstagabend zweihundert bis dreihundert Leute ab, weil sie noch nicht achtzehn sind oder nicht die passende Kleidung tragen. Wenn darunter auch ein Schwarzer ist, dann heißt es gleich, wir wären rassistisch“. Woher es kommt, dass die Mausefalle den Ruf habe, dunkelhäutige Menschen meist nicht einzulassen, weiß er nicht. „Vielleicht deshalb, weil wir im Gegensatz zu anderen Lokalen genauer hinschauen, wen wir reinlassen und wen nicht“, vermutet Celik und betont: „Wir hatten allein in diesem Jahr bereits acht oder neun Kontrollen durch das Magistrat, und es hat noch nie eine Beanstandung gegeben, weil wir etwa zu junge Leute ins Lokal hineingelassen hätten.“ Weiters erzählt er: „Ich habe ja selbst einen aramäischen Migrationshintergrund, warum sollte ich also keine Ausländer mein Lokal lassen?“
Über das nach CHiLLi.cc vorliegenden Informationen laufende Verfahren vor der Gleichbehandlungskommission wegen eines Vorfalles vor zwei Jahren, bei dem zwei dunkelhäutigen Männern der Einlass verweigert wurde, weiß Celik Bescheid. „Wir haben der betreffenden Person auch einen Brief geschrieben und sie in unser Lokal eingeladen. Natürlich können in der Hektik manchmal auch Fehler passieren. Leider wurde uns darauf nicht geantwortet“, erzählt der Betriebsleiter. Ein Gespräch mit Hilde Zach zum oben erwähnten Vorfall mit Lukas Negrin und Georges Ramos habe bis heute noch nicht stattgefunden, sagt Celik. Statdrätin Christine Oppitz-Plörer hat mit dem Betreiber zum aktuellen Anlass gesprochen, der ihr gegenüber einen rassistischen Hintergrund ausschließt. Oppitz-Plörer hat dennoch angekündigt, sich weiter mit dem Vorfall zu beschäftigen.
Probleme gibt es fast überall
Wolfgang Zimmer vom Verein „Zivilcourage und Anti-Rassismus Arbeit“ (ZARA) kennt die Problematik. Schwierigkeiten für Menschen mit dunkler Hautfarbe gäbe es fast überall. Nur sehr selten habe er Klienten, die sagen, dass sie keinerlei Probleme in Lokalen hätten. „Einige sagen, dass sie inzwischen gar nicht mehr ausgehen, weil es sowieso nichts bringen würde. Andere wiederum beschränken sich nur auf die Lokale, von denen sie wissen, dass sie problemlos eingelassen werden“, erzählt Zimmer.
Die Gründe, warum Lokale dunkelhäutige Menschen abweisen, können laut Zimmer unterschiedlich sein. Neben einer rassistischen Einstellung der Türsteher oder des Eigentümers, könne es auch sein, dass auf tatsächliche oder vermutete rassistische Ressentiments des Publikums Rücksicht genommen wird. „Oft ist es auch ein Drogendealer-Generalverdacht hinsichtlich dunkelhäutiger Menschen“, sagt Zimmer und verweist auf die Diskussion bezüglich des Wiener Lokals „Flex“. Manchmal sei es auch die „generelle Unterstellung, dass schwarze Männer aggressiver Anbaggern und man deshalb das weibliche Publikum schützen müsse“, erklärt Zimmer.
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Externer Link Verein „Zivilcourage und Anti-Rassismus Arbeit“ (ZARA)