Das Krisengebiet Zentralafrikanische
Republik kommt nicht zur Ruhe
Banditen, Rebellen und Soldaten machen die Gegend unsicher, niemand weiß genau, wer gegen wen kämpft. Im Nordwesten der Zentralafrikanischen Republik sind seit 2003 schätzungsweise 290.000 Menschen aus ihren Dörfern geflohen, ohne dass die Welt davon Notiz genommen hätte. Die Ursachen der gegenwärtigen Krise liegen bereits einige Jahre zurück. Seit dem Sturz des Diktators Jean-Bédel Bokassa – er erlangte wegen Kannibalismusverdachts Berühmtheit – wechseln sich die Staatschefs gegenseitig durch Staatsstreiche ab. Die bewaffneten Unterstützer des jeweiligen Vorgängers agieren anschließend oft als Rebellenbewegung weiter und terrorisieren die Bevölkerung.
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Rebellen und Soldaten gegen die Bevölkerung
Eine der Rebellenbewegungen, die in der nordwestlichen Region ihr Unwesen treibt, ist die Armée populaire pour la restauration de la Républicque et la démocratie (APRD). Sie begann ihren Krieg gegen Präsident Francois Bozizé im Jahr 2005. Drahtzieher hinter dieser Gruppierung, die auch Kindersoldaten einsetzt, könnte der ehemalige Präsident Ange-Gélix Patassé sein – zumindest wird dies in Regierungskreisen in Bangui, der Hauptstadt der Republik, vermutet. Patassé wurde 1993 Präsident des Landes und überstand mehrere Putschversuche in den Neunzigern. Unterstützung erhielt er meist aus Libyen und der Demokratischen Republik Kongo. 2003 wurde er von Bozizé gestürzt, der sich dabei auf die Dienste der Armee aus dem nördlichen Nachbarland Tschad verlassen konnte. Teile der Unterstützer wurden nach dem erfolgreichen Umsturz allerdings selbständig, da sie sich unterbezahlt fühlten. Sie übernahmen nun die Rolle der kongolesischen Soldaten im Nordwesten des Landes, und begannen mit Raubzügen in der Region die Bevölkerung zu tyrannisieren. Zusätzliches Leid für die Bewohner des Landes verursachen auch die regulären Streitkräfte, die bei ihren Gegenschlägen keine besondere Rücksicht auf Zivilisten nehmen.
Rebell, der wegläuft, wird getötet
Der Konflikt hat die Menschen, die in der Region blieben, schwer in Mitleidenschaft gezogen. Selbst die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ hat insgesamt 29 Mal ihre Tätigkeiten dort aussetzen müssen – zuletzt vor gut einem Monat nach dem gewaltsamen Tod einer Mitarbeiterin. Auch bei den kämpfenden Parteien setzen Ermüdungserscheinungen ein: „Wir sind der Rebellion müde und wollen dem Appell nach Frieden von Präsident Bozizé folgen“, sagt Magloire Nguetel, einer der Anführer der APRD, Ende Juni dem Nachrichtendienst der Vereinten Nationen, IRIN. Aus der Armee ist zu hören, dass bereits einige Angehörige der Rebellen zu den Streitkräften übergelaufen seien. APRD-Sprecher Laurent Djim-Woei Bibetim bestätigte dies gegenüber IRIN, wies jedoch darauf hin, dass nun ein neues Gesetz verabschiedet wurde, das vorsieht, jeden „Rebellen der versucht wegzulaufen, zu töten“.
Krieg ohne Ende
Vor zwei Monaten gelang es der Regierung in Bangui, mit Rebellengruppen im Norden und Nordosten des Landes einen Friedensvertrag zu schließen. Mit der APRD kam es hingegen bisher zu keinen ernsthaften Verhandlungen. Sie erkennt die Regierung um Präsident Bazizé nicht an, da er lediglich eine Marionette des Tschad sei, und eine rechtmäßige Regierung, jene von Patassé, gestürzt hat. Dieser folgte 1993 auf General André Kolingba, der 1981 den im selben Jahr gewählten Präsidenten David Dacko durch einen Putsch beseitigte. Dacko wiederum war bereits nach der Unabhängigkeit 1960 erster Präsident des Landes und wurde 1966 vom berüchtigten Jean Bedel Bokassa gestürzt.
Das Land, das nach wie vor eines der ärmsten der Welt ist, wird so schnell also nicht zu einer Friedenslösung finden. Zwar hat sich Bozizé inzwischen in Wahlen im Jahr 2005 bestätigen lassen, er erreichte 64,6 Prozent der Stimmen, doch wird er von Unterstützern Patassés nach wie vor nicht anerkannt. Und selbst wenn, würde es das Problem der marodierenden Soldaten in der Region nicht lösen. Die Auseinandersetzungen in der Zentralafrikanischen Republik werden demnach noch einige Zeit weitergehen. Der Abzug der UN-Truppen im Jahr 2000 war wohl verfrüht.
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