Wirbel um eine Innsbrucker Stiftungs-
Professur – der Inhaber wurde entlassen
Schweres Mobbing, erhebliche Ehrverletzung, sittliche Verfehlungen – das sind die Vorwürfe gegen den Innsbrucker Stiftungsprofessor Alexander Siedschlag. Der Inhaber der vom Verteidigungsministerium eingerichteten und unter anderem vom Rüstungskonzern EADS gesponserten Stiftungsprofessur für Europäische Sicherheitspolitik wurde am Freitag vom Rektorat entlassen. Das Universitätsgelände darf er laut einer E-Mail des Vizerektors für Personal, Martin Wieser, nicht ohne Erlaubnis des Rektorats betreten.
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Frühere Wickel
Dieses vorläufige Ende der Karriere des Stiftungsprofessors an der Uni Innsbruck ist aber nur das Letzte in einer Reihe von Ereignissen, die auch öffentlichen Widerhall gefunden haben. Bereits kurz nach seinem Antritt im Herbst 2004 lieferte sich Siedschlag einen medialen Schlagabtausch mit dem damaligen Dekan der Fakultät für Politikwissenschaft und Soziologie, Anton Pelinka. Siedschlag bezeichnete Pelinkas Führungsstil in einer Aussendung als diktatorisch, Pelinka setzte sich daraufhin öffentlich gegen Siedschlag zur Wehr. Erst im Jänner 2005 wurde dieser Konflikt offiziell beigelegt, Siedschlag zog später aus den Räumlichkeiten des Instituts für Politikwissenschaft in ein mehrere hundert Meter entferntes Gebäude, seine Professur wurde direkt dem Rektorat unterstellt.
Aktuelle Vorwürfe
„Die Entlassung ist begründet worden mit unzulässigen Gemeinplätzen“, wehrt sich Siedschlag jetzt im Gespräch mit CHiLLi.cc. Zu allgemein seien die Vorwürfe, die schließlich zur Entlassung geführt haben. „Ich bin der Meinung, dass man mich aus der Universität Innsbruck hinausmobben will“, sagt der Professor. Dabei wird genau das auch ihm vorgeworfen, und das von mehreren Seiten. Die Rede ist von Droh-E-Mails an Mitarbeitende der Professur und sexueller Herabwürdigung weiblichen Personals. Siedschlag selbst spricht in diesem Zusammenhang von einem „flapsigen Ton“ im Team, „und da haben alle mitgemacht“.
Als weiteren Grund für seine Entlassung sieht Siedschlag sein „demonstratives“ Auftreten – laut Augenzeugen sei er dabei über Bänke und Tische geklettert – bei einer Veranstaltung der Professur letzten Donnerstag. Vizerektor Wieser macht laut Siedschlag hier geltend, er habe dem Professor eine Dienstweisung erteilt, nicht bei dieser Veranstaltung zu erscheinen. Siedschlag weist das allerdings zurück und spricht von einer „Bitte“ des Vizerektors.
„Professor Eurofighter“
Auch seine offene Befürwortung des Eurofighter-Deals gilt als problematisch. Im Herbst des vergangenen Jahres bezeichnete Siedschlag den Eurofighter in einem Interview für den Online-Standard als „Paradebeispiel europäischer Integration“, was prompt zu einer öffentlichen Distanzierung des Innsbrucker Instituts für Politikwissenschaft geführt hat. Nun rechnet er selbst mit einer Vorladung vor den Eurofighter-U-Ausschuss, schon „seit ich vor Monaten in einer Presseaussendung als ‚Professor Eurofighter‘ tituliert worden bin“. Und auch Ausschuss-Vorsitzender Peter Pilz bringt Siedschlag in seinem jüngsten Blog-Eintrag mit den Gegengeschäften des Eurofighter-Deals in Verbindung. Pilz zitiert dort E-Mails von Siedschlag, die Anton Pelinka zugespielt worden seien. Eine „Infiltration“ seines E-Mail-Verkehrs, wie der Stiftungsprofessor es bezeichnet.
„Ich bin der Meinung, das ist nicht das Ende, sondern der Anfang“, kündigt Siedschlag eine Fortführung seiner Arbeit an – Stiftungsprofessor sei er nach wie vor, entlassen habe ihn „nur“ die Universität, nicht der Stifter, das Verteidigungsministerium. „Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, aber wenn ich einer wäre, würde ich denken, dass meine Entlassung von langer Hand geplant war.“ Ob von langer Hand geplant oder nicht – sollten die Berichte ehemaliger Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zutreffen, war die Entscheidung des Rektorats unvermeidbar.
Links dazu …
Externer Link Universität Innsbruck
Externer Link Homepage von Alexander Siedschlag
Externer Link Blog von Peter Pilz
