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Völkermord im Schatten

Niedergebrannte Dörfer ge-[br]hören zum Alltagsbild in Darfur
Niedergebrannte Dörfer ge-
hören zum Alltagsbild in Darfur
Über zwei Millionen Menschen leben in Camps für Vertriebene
Über zwei Millionen Menschen leben in Camps für Vertriebene

Während die Welt tatenlos zusieht, nimmt der Genozid in sudanesischen Darfur kein Ende

Darfur kommt nicht zur Ruhe. Während die internationale Gemeinschaft nach wie vor über die Zusammensetzung einer durchsetzungsfähigen Friedenstruppe feilscht, geht das Morden in der sudanesischen Provinz weiter. Trotz eines im April unterzeichneten Abkommens zwischen der Regierung in Khartum, der Afrikanischen Union und den Vereinten Nationen, bleibt die Lage unverändert dramatisch. Die Bevölkerung, auch in den zahllosen Flüchtlingscamps, ist dramatisch unterversorgt. Die so genannte westliche Welt ignoriert die Geschehnisse nach wie vor weitestgehend, oder unterstützt den Sudan mit Geschäftsbeziehungen oder sogar Waffenlieferungen. Von Seiten diverser Nichtregierungsorganisationen (NGO), aber auch Einzelpersonen wird immer öfter und immer lauter Kritik am Verhalten und an der „Unfähigkeit der Staatengemeinschaft“, wie auch Alfred Buss im CHiLLi.cc Gastkommentar sagt, geübt.

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Stars für Darfur
Das Nichtagieren der Internationalen Gemeinschaft im Darfur-Konflikt veranlasst bereits seit längerem Stars aus verschiedensten Bereichen dazu, sich zu engagieren. So trat George Clooney für die „Save Darfur Coalition“ als Sprecher auf. Auch die Sonderbotschafterin der UNHCR (Hohes Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen) Angelina Jolie fuhr bereits mehrmals selbst nach Darfur. Zum globalen „Tag für Darfur“ am 29. April unterzeichneten eine ganze Reihe von Künstlern – darunter Matt Damon, Mick Jagger, Hugh Grant, Thandie Newton und Mia Farrow – ein Statement, das von der Weltgemeinschaft ein aktives und effektives Eingreifen zur Lösung des Konflikts fordert.

Einer der Initiatoren hinter diesem Engagement ist John Prendergast, damaliger Afrikaberater des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Er unternahm, etwa mit Jolie, mehrere Reisen in afrikanische Krisengebiete, darunter auch Darfur. Die Frage ob das Engagement Prominenter etwas bewirken kann, oder aber mehr der jeweils eigenen Publizität zuträglich sei, lässt der heute als Mitarbeiter der International Crisis Group tätige Prendergast, im Gespräch mit CHiLLi.cc nicht gelten: „Berühmtheiten können mit ihrem Einsatz eine viel größere öffentliche Aufmerksamkeit auf Themen lenken als wir Friedens- und Menschenrechtsaktivisten es jemals in der Lage wären. Ihr Beitrag, gerade im Darfur-Konflikt, ist nicht hoch genug einzuschätzen und ‚unbezahlbar’“.

Auch die vergangene Woche begonnenen Filmfestspiele in Cannes werden von vielen Darstellern, Produzenten und anderen Teilnehmern dazu genutzt, um auf die humanitäre Katastrophe in der westsudanesichen Region aufmerksam zu machen. Die britische Tageszeitung „The Guardian“ titelte daraufhin mit „Wie Hollywood Amerika auf Darfur aufmerksam macht“.

Waffen für den Genozid
Worauf verschiedene NGOs noch aufmerksam machen, sind die Verstöße Russlands und Chinas gegen das internationale Embargo gegen Darfur. Amnesty International erhob schwere Vorwürfe gegen die beiden Staaten. Sie sollen Kriegsmaterial im Wert von 75 Millionen Euro an den Sudan geliefert haben. Dem russischen Außenministerium nach werde allerdings kein Gerät, das an den Sudan geliefert wird, von den dortigen Streitkräften in Darfur eingesetzt. Peking, einer der Haupthandelspartner des Sudans, dementiert eine Waffenlieferung gänzlich und kündigt an, sich an der Friedenstruppe für Darfur mit hunderten von Soldaten beteiligen zu wollen.

Die drei P’s
Das „Enoughproject“, eine gemeinsame Initiative der International Crisis Group und dem Center for American Progress, präsentierte vor kurzem ein Schriftstück mit dem Titel „The answer to Darfur – How to resolve the world’s hottest war“. Als eine „generelle Strategie, um Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit entgegenzuwirken“, wie Julia Spiegel, Policy Adviser der „Enough“-Initiative, im Gespräch mit CHiLLi.cc meint, werden die „drei P’s“ vorgeschlagen: Promoting Peace – Vereinigung der Rebellenbewegungen und effektiver Friedensprozess, Protecting People – Verstärkung der Truppen der Afrikanischen Union und Punishing Perpetrators – Erhöhung des Drucks auf die sudanesische Regierung sowie weitere Anklagen durch den internationalen Strafgerichtshof.

Laut Spiegel ist dies jedoch nur unter Führung der Vereinigten Staaten möglich: „‚Enough’ fokussiert sichderzeit auf die Rolle der Vereinigten Staaten in Darfur. Wir sind nämlich der Meinung, dass eine US-Vorreiterrolle, mit ihrem diplomatischen und politischen Einfluss, den Impuls für andere in der internationalen Gemeinschaft geben kann, sich auch aktiver und engagierter zu involvieren.“

Mehr dazu …
 Zach:Konflikt wurde bewusst verstärkt
 Kirch: „Wir sind in der Nothilfe-Phase
Gastkommentar dazu …
 Kommentar Buss: Menschenrechte bleiben auf der Strecke
Nachlesen …
 Blauhelme für Darfur
 „Ähnliches Desaster wie Ruanda
Links dazu …
 Externer Link Globe for Darfur
 Externer Link Save Darfur
 Externer Link Enoughproject
 Externer Link Actors and musicians call for action on Darfur
 Externer Link Not on our watch - how Hollywood made America care about Darfur
 Externer Link International Crisis Group
 Externer Link Center for American Progress
Literatur dazu …
Gérard Prunier, Darfur. Der „uneindeutige“ Genozid, London-Hamburg 2006, Hamburger Edition

Florian Gasser > [ Mail ]

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