„The Da Vinci Code – Sakrileg“ – Neu im Kino
Jetzt ist es also endlich geschehen. Nach einem Werbemarathon, in dem sich Filmemacher und katholische Kirche gegenseitig zu neuen Höhen hinauf trieben, ist das Objekt des Streits im Kino angelangt. „The Da Vinci Code – Sakrileg“ hat über vierzig Millionen Leser in seinen Bann gezogen und genau die können mit dem Film wohl noch am meisten anfangen.
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Oh, lame saint!
Mit einem Budget von geschätzten 125 Millionen Dollar, lässt es sich schon gut protzen und genau diese Absicht verfolgen Produzent Brian Grazer („Inside Man“) und sein Regisseur Ron Howard („A Beautiful Mind“). Deshalb beginnt die Adaption von „The Da Vinci Code“ auch mit den Kameratricks und Computereffekten, die in den kommenden 150 Minuten dem Zuseher aufs Aug’ gedrückt werden.
Im betont modischen Stil, wird von den Titeleinblendungen auf die Gemäldegalerie im Pariser Louvre geblendet und so mitten in das hektische Geschehen gewechselt. Dort wird der Mord an Jaques Saunière durch den Albino-Mönch Silas (Paul Bettany – „Firewall“) rasch vollzogen. Ebenso rasch wie der zu einem Vortrag in die französische Metropole gekommene Symbologe Robert Langdon (Tom Hanks – „Road to Perdition“) an den Tatort beordert wird, um mit seiner Expertenmeinung der örtlichen Polizei, unter der Leitung von Capitaine Bezu Fache (Jean Reno – „Der Tiger und der Schnee“), zu helfen.
So dark the con of man
In der Tonart in der diese ersten Szenen ausgerollt wurden, werden die Charaktere von Ron Howard in die Handlung eingeführt. So taucht plötzlich Polizei-Codeknackerin Sophie Neveu (Audrey Tautou – „Die fabelhafte Welt der Amelie“) am Tatort auf und eilt dem unter Mordverdacht stehenden Langdon zu Hilfe. Nur gemeinsam,so die Botschaft der gehetzt inszenierten und geschnittenen Szenen, können sie das Geheimnis – welches auch immer – lösen. Und hier liegt das Problem von „The Da Vinci Code – Sakrileg“ begraben.
Obwohl auch im Roman mit hektischen Szenenwechseln gearbeitet wird, lässt sich Autor Dan Brown noch die Zeit, seine Komplotte und Theorien auszuarbeiten und zu entwirren. Im Film muss dies alles sehr schnell gehen und so stoßen Langdon und Neveu mit beeindruckender Leichtigkeit auf jegliches Rätsel und dessen Lösung.
Da bleibt kaum Zeit zum Luftholen und zur näheren Identifikation mit den Charakteren schon gar nicht. Wie auch? Denn immer wieder muss sich die Handlung – gemäß der Romanvorlage – von einem Schwerpunkt zum nächsten verlagern und steht dabei auch noch vor dem Problem, die historischen und persönlichen Hintergründe näher erläutern zu müssen. Ein Unterfangen bei dem mit der Geschwindigkeit der Inszenierung über die Ratlosigkeit der Lösung dieses Problems hinweggetäuscht werden soll.
Der Reiz der Verschwörung
Doch nicht alles an „The Da Vinci Code – Sakrileg“ ist negativ zu betrachten. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich diese Adaption sogar als recht werkgetreuer und exakt gezeichneter Verschwörungsthriller. Inhaltliche Defizite können demnach auch nur noch gekittet werden, schließlich wurden sie bereits in der Romanvorlage erstellt. So wird die Handlung auch spürbar gestrafft, was zum einen zu den erwähnten hektischen Szenenfolgen im ersten Drittel des Films führt. Zum anderen aber auch die Entwicklung vieler Charaktere unter den Tisch fallen lässt.
Der im Roman noch als zentrale Figur angelegte Bischof Aringarosa (Alfred Molina – „Spider-Man 2“) verkommt zum Stichwortgeber und aus der selbstbewussten Sophie Neveu wird ein stets argwöhnisch dreinblickendes und kaum die Initiative ergreifendes Mauerblümchen, das ohne eigenes Zutun in die Ereignisse schlittert. Selbst der Star des Films – Tom Hanks – scheint mit der Figur des Robert Langdon wenig Freude gehabt zu haben und variiert nur seine altbekannten Standards des Durchschnittsmannes in Schwierigkeiten. Wirklichen Eindruck hinterlässt einzig Ian McKellen („Der Herr der Ringe“) als englischer Gralssucher Sir Leigh Teabing, der mit Genuss den alternden Fanatiker gibt.
Die Mona Lisa birgt kein Geheimnis mehr ...
Dieser Film wird nur Freunden des Romans viele Anregungen zur weiterführenden Diskussion bieten können. Denn nur wer das Buch gelesen hat, kann sich durch die im ersten Drittel zu gehetzte und gegen Ende zu sehr in die Länge gedehnte Inszenierung durchhangeln und die jeweilig aufgegriffenen Eckpunkte wirklich klar einem inszenatorischen Zweck zuordnen. Ron Howard hat somit seine Sache im Sinne der Vorlage ordentlich gemacht, allerdings keine Spur von Eigenständigkeit bewiesen.
Am Ende eines medialen Sturmes bleibt die im Grunde ernüchternde Einsicht, dass „The Da Vinci Code – Sakrileg“ ein Hollywood-Routineprodukt ist. Ein Film der mit einer blank polierten Oberfläche imponiert und bei der es dahinter nichts weiter zu entdecken gibt.
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